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Artikel von David McCasland

Rennen und ruhen

Die Überschrift sprang mir in die Augen: „Ruhetage wichtig für Läufer.“ Der Artikel von einem ehemaligen Mitglied eines Bergläuferteams behandelte ein Thema, das passionierte Sportler manchmal ignorieren—der Körper braucht nach dem Einsatz Zeit zum Ruhen und sich Regenerieren. „Physiologisch gesehen werden die Anpassungen, die durch das Training ausgelöst werden, erst während der Ruhephase wirksam“, hieß es in dem Artikel. „Das heißt, dass Ruhe genauso wichtig ist wie das Training.“

Nach dir

In manchen Ländern ist es üblich, dass der Jüngere dem Älteren den Vortritt lässt. In anderen geht der zuerst durch die Tür, der wichtiger oder höhergestellt ist. Doch es gibt Momente, da fällt es uns schwer, einem anderen, etwa bei wichtigen Entscheidungen, den Vortritt einzuräumen, vor allem dann, wenn er eigentlich uns zustehen würde.

Mayday!

Das internationale Notsignal „Mayday“ wird immer dreimal hintereinander gesendet—„Mayday-Mayday-Mayday“—damit ganz klar ist, dass es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt. Der Begriff wurde 1923 von Frederick Stanley Mockford, dem leitenden Funkoffizier am Flughafen London-Croydon, festgelegt. Am inzwischen stillgelegten Flughafen starteten und landeten viele Flüge von oder nach Paris-Bourget. Es wird vermutet, dass Mockford den Ausdruck vom französischen m’aider ableitete, kurz für „Helft mir“.

Einer von uns

Beim Abschiedsgottesdienst für Charles Schulz (1922-2000), den Erfinder der bekannten Peanuts-Comics, rühmte eine gute Bekannte von Schulz und ebenfalls Cartoonistin, Cathy Guisewite, seine Menschlichkeit und sein Mitgefühl. „Er schenkte uns Figuren, die genau wissen, wie uns zumute ist, die uns das Gefühl geben, nie allein zu sein. Und dann schenkte er uns sich selbst, den Cartoonisten, und gab uns das Gefühl, dass wir nie allein sind . . . Er machte uns Mut. Er litt mit uns. Er vermittelte uns das Gefühl, dass er genauso war wie wir.“

Treu sein

Kaleb war ein „treuer“ Mensch. Mit Josua und zehn anderen hatte er das gelobte Land erkundet und Mose und dem Volk Bericht erstattet. Kaleb hatte gesagt: „Lasst uns hinaufziehen und das Land einnehmen, denn wir können es überwältigen“ (4.Mose 13,30). Aber zehn andere meinten, sie würden das nicht schaffen. Trotz Gottes Verheißung sahen sie nur Hindernisse (V.31-33).

Virales Evangelium

Das Viral Text-Projekt einer amerikanischen Universität untersucht, wie gedruckte Texte aus dem 19. Jahrhundert in Zeitungen verbreitet wurden—dem sozialen Medium jener Zeit. Wenn ein Artikel fünfzig Mal oder mehr abgedruckt wurde, wird das für das Industriezeitalter als „viral“ betrachtet. In einer Zeitschrift berichtet einer der Projekt-Mitarbeiter, dass ein Artikel aus dem 19. Jahrhundert, in dem es darum ging, wie viele Nachfolger Jesu wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden, in mindestens 110 verschiedenen Publikationen erschien.

Schrottkünstler

Noah Purifoy begann seine Laufbahn als „Assemblage“-Künstler mit drei Tonnen Abfall. Aus kaputten Fahrradrädern und Kegelkugeln über entsorgte Reifen bis hin zu kaputten Fernsehern—Dingen, die nicht mehr gebrauchstüchtig sind—schuf er mit einem Kollegen Skulpturen, die eindrücklich bewusstmachen, wie Menschen von der modernen Gesellschaft als „Abfallprodukte“ behandelt werden.

Macht es Freude?

Das Buch einer jungen Japanerin über das Aufräumen und Organisieren wurde schon über 2 Millionen Mal verkauft. Marie Kondo will Menschen helfen, unnötige Dinge in ihren Wohnungen und Schränken loszuwerden—Dinge, die sie nur belasten. „Nimm jedes Teil in die Hand“, sagt sie, „und frage dich, ob es dir Freude bereitet.“ Heißt die Antwort Ja, behalte es. Lautet sie Nein, gib es weg.

Umsorgt

An dem Tag, als unsere jüngste Tochter von München nach Barcelona flog, ging ich auf meine liebste Flug-TrackerWebseite, um ihre Reise nachzuverfolgen. Nachdem ich ihre Flugnummer eingegeben hatte, konnte ich auf dem Bildschirm sehen, dass sie über Österreich geflogen war und sich jetzt irgendwo über Norditalien befand. Von dort würde es südlich der französischen Riviera über das Mittelmeer Richtung Spanien gehen. Sie sollte pünktlich ankommen. Das einzige, was ich nicht wusste, war, welches Essen auf dem Flug serviert wurde!

Wiederaufbau

Als Edward Klee nach langer Zeit nach Berlin zurückkehrte, gab es die Stadt nicht mehr so, wie er sie in Erinnerunghatte. Sie hatte sich dramatisch verändert—und er auch. In einem Artikel schrieb er: „In eine Stadt zurückzukehren, die man einmal geliebt hat, ist wie beim Lotto . . . Es kann enttäuschend sein.“ Die Rückkehr an die Orte der Vergangenheit kann Trauer über das Verlorene hervorrufen. Wir selbst sind nicht mehr der, der wir damals waren, und auch der Ort, der in unserem Leben einmal so wichtig war, ist es nicht mehr.

Nicht vergeblich

Ich kenne einen Finanzberater, der über das Geldanlegen einmal gesagt hat: „Hoffe das Beste und rechne mit dem Schlimmsten.“ Aber das gilt sicher nicht nur für das Geldanlegen. Bei den meisten Entscheidungen, die wir im Leben zu treffen haben, wissen wir nicht, wie sie ausgehen. Einen Weg gibt es jedoch, dem wir folgen können und bei dem wir wissen, dass unser Einsatz nie vergeblich sein wird, egal was passiert.

Nichts zu verbergen

Eine internationale Untersuchung ergab 2015, dass weltweit 245 Millionen Überwachungskameras installiert sind und ihre Zahl jährlich um 15 Prozent zunimmt. Daneben schießen Millionen von Menschen Tag für Tag mit ihren Smartphones Bilder, von der Geburtstagsfeier bis zum Banküberfall. Ob wir uns über die zunehmende Sicherheit freuen oder die schwindende Privatsphäre beklagen, wir leben in einer Welt, in der Kameras allgegenwärtig sind.

Das perfekte Geschenk

In vielen Teilen der Welt sind die Wochen nach Weihnachten die hektischste Zeit des Jahres, weil dann viele Leute die Geschenke zurückbringen, die ihnen nicht gefallen und sie diese gegen etwas eintauschen wollen, was ihnen wirklich gefällt. Aber es gibt auch Menschen, die so gut wie immer das Richtige schenken. Woher wissen sie, was einem anderen gefallen könnte und dem Anlass entspricht? Der Schlüssel zum erfolgreichen Schenken ist nicht das Geld, sondern dass man anderen zuhört und sich dafür interessiert, woran sie sich freuen.

Freude für alle

Am letzten Tag einer christlichen Verlagskonferenz in Singapur versammelten sich 280 Teilnehmer aus 50 Ländern  auf dem Platz vor dem Hotel, um ein Gruppenfoto zu    machen. Vom Balkon im zweiten Stock machte ein Fotograf Aufnahmen aus allen möglichen Perspektiven, bis er schließlich sagte: „So, das war‘s.“ Worauf eine erleichterte Stimme aus der Gruppe ertönte: „Freue dich, Welt!“ Sofort fing jemand anders an zu singen: „Dein König naht“, und andere fielen ein. Bald sang die ganze Gruppe in vollendeter Harmonie das bekannte Weihnachtslied. Es war ein bewegender Eindruck, den ich nie vergessen werde.

Weihnacht in Gefangenschaft

Pfarrer Martin Niemöller verbrachte fast acht Jahre im Konzentrationslager, weil er am Widerstand gegen Hitler beteiligt war. Am Heiligabend 1944 sprach er den Mitgefangenen in Dachau Worte der Hoffnung zu: „Meine lieben Freunde, lasst uns diese Weihnachten im Kind von Bethlehem den Einen suchen, der zu uns kam, um alles mit uns zu tragen, was schwer auf uns lastet . . . Gott selbst hat die Brücke von sich zu uns gebaut! Das Licht aus der Höhe hat uns besucht!“

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Feuerprobe

Bei einem Besuch im Naturhistorischen Museum letzten Winter habe ich eine Menge über die Zitterpappel gelernt. Aus einem einzigen Samen kann ein ganzer Wald von schlanken Pappeln mit einem gemeinsamen Wurzelsystem wachsen. Diese Wurzeln können tausende von Jahren existieren, auch wenn sie keine Bäume tragen. Sie schlafen im Boden und warten, bis Feuer, Überschwemmung oder eine Lawine im schattigen Wald für sie einen Platz freiräumen. Nachdem eine Naturkatastrophe Brachland geschaffen hat, spüren die Wurzeln endlich die Sonne. Dann schicken sie ihre Sprösslinge hervor, aus denen der Baum erwächst.

Gute Früchte

Der Blick aus dem Flugzeug war atemberaubend: ein schmales Band von Gärten und fruchtbaren Feldern wand sich zwischen zwei kahlen Gebirgszügen. Durchs Tal floss ein Fluss. Lebenspendendes Wasser, ohne das es keine Frucht gäbe.

Imagepflege

Zum achtzigsten Geburtstag von Winston Churchill ließ das britische Parlament ein Porträt des gefeierten Staatsmannes malen. Der Überlieferung nach wird berichtet, dass Churchill fragte: „Wie wollen Sie mich darstellen? Als Cherub oder als Bulldogge?“ Der Künstler erwiderte, er werde malen, was er sehe.