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Artikel von Winn Collier

Gott wartete

Als Denise Levertov gerade zwölf Jahre alt war, lange bevor sie eine berühmte Dichterin wurde, hatte sie den Mut, dem großen Dichter T. S. Eliot ein Gedichtband zu schicken. Dann wartete sie auf eine Antwort. Überraschenderweise sandte Eliot zwei Seiten handschriftliche Ermutigung. Im Vorwort zu ihrer Sammlung The Stream and the Sapphire, erklärte sie, wie die Gedichte „ihre eigene Entwicklung vom Agnostizismus bis zum christlichen Glauben verfolgen“. Es ist daher überwältigend zu erkennen, wie eines der späteren Gedichte Annunciation (Verkündigung des Herrn) die Hingabe Marias an Gott erzählt. Der Heilige Geist wollte Maria nicht überwältigen, sondern hatte den Wunsch, dass Maria sich frei für das Kind entschied. So stehen diese beiden Worte im Mittelpunkt des Gedichts: Gott wartete.

Der Segen des Vaters

Kürzlich baten mich einige Menschen aus unserer Gemeinde, die schlechte Beziehungen zu ihren Vätern hatten, als liebende Vaterfigur für sie einzustehen und sie zu segnen. Dieser Segen bat um Vergebung für die Art und Weise, wie ein Vater seine Kinder verletzen kann, wenn zu hohe Erwartungen gesetzt werden, er abwesend ist, keine liebevolle Nähe oder keine Bestätigungen gibt. Der Segen brachte aber auch Freude, Bewunderung und überreiche Liebe zum Ausdruck. Als ich den Segen aussprach, weinte ich. Ich erkannte, wie sehr auch ich diese Worte brauchte und wie sehr meine Kinder sie brauchten.

Frei von Verdammnis

Während ein Ehepaar durch das trockene Nordkalifornien fuhr, spürten sie, wie ein Reifen platzte und hörten das Scharren des Metalls auf dem Bodenbelag. Die Funken entzündeten den Flächenbrand Carr Fire im Jahr 2018, der beinahe 93.000 Hektar niederbrannte, mehr als 1.000 Häuser zerstörte und zum Tode etlicher Menschen führte.

Mein größter Wunsch

Die Maus Riepischiep ist vielleicht die tapferste Figur in den Narnia-Chroniken. Sie reiste auf der Morgenröte zu den dunklen Inseln. Mit gezücktem Schwert stürzte sie sich in den Kampf und trotzte allen Ängsten. Woher nahm sie den Mut? Sie wollte in Aslans Land gelangen. „Das ist mein Herzenswunsch.“ Riepischiep wusste, was er wirklich wollte, und das führte ihn zu seinem König.

Keine Angst mehr

Drei Löwen mit schwarzen Mähnen standen um die entführte Zwölfjährige, als sie nach einer Woche von der äthiopischen Polizei gefunden wurde. Sieben Männer hatten das Kind geschnappt, in den Wald geschleppt und geschlagen. Doch wie durch ein Wunder war ein kleines Löwenrudel von den Schreien angelockt worden und hatte die Angreifer vertrieben. „Die Löwen standen Wache, bis wir sie gefunden hatten. Dann ließen sie sie stehen und verschwanden wieder im Gebüsch“, berichtete Sergeant Wondimu einem Reporter.

Samen der Gnade

Beinahe vierzig Jahre lang arbeitete ein Mann in Indien daran, ein verbranntes, sandiges Brachland wiederzubeleben. Als er sah, wie Erosion und das sich verändernde Ökosystem die Flussinsel zerstörte, die er liebte, pflanzte er einzelne Bäume, erst Bambus und dann Baumwolle. Inzwischen füllen üppige Wälder und ein großer Tierbestand die mehr als 520 Hektar. Jedoch besteht der Mann darauf, dass die Neugeburt des Landes nicht sein Verdienst war. Er erkannte die fantastische Art und Weise, wie die Natur entworfen ist, staunte darüber, wie Samen durch den Wind zu fruchtbarem Boden getragen werden. Vögel und Tiere beteiligen sich ebenfalls am Säen und auch Flüsse helfen den Pflanzen und Bäumen zu wachsen.

Der Hauptdarsteller

Ich hörte von einem Studenten, der in einer bekannten Bibelschule einen Predigtkurs besuchte. Der Student, ein junger Mann, der ein bisschen zu sehr von sich überzeugt war, lieferte seine Predigt mit Redegewandtheit und offenkundiger Leidenschaft ab. Selbstzufrieden setzte er sich hin. Der Professor hielt einen Moment inne, ehe er darauf reagierte. „Das war eine machtvolle Predigt“, sagte er. „Sie war sehr gut aufgebaut und mitreißend. Das einzige Problem ist, dass Gott in keinem einzigen Satz das Thema war.“

Rückwärts gehen

Ich stolperte über Filmaufnahmen einer britischen Filmcrew, die im Jahr 1932 die sechsjährige Flannery O’Connor auf ihrer Familienfarm filmte. Flannery, die später zu einer berühmten Autorin wurde, machte die Filmcrew auf sich aufmerksam, weil sie einem Huhn beibrachte, rückwärts zu laufen. Abgesehen von der Neuheit des Films, war dieser historische Ausschnitt für mich eine perfekte Metapher. Aufgrund ihrer literarischen Sensibilität und ihrer geistlichen Überzeugungen, verbrachte sie ihre 39 Jahre auf jeden Fall damit, rückwärts zu gehen—sie dachte und schrieb auf eine gegenkulturelle Weise. Verleger und Leser waren erstaunt, wie ihre biblischen Themen sich den von ihnen erwarteten religiösen Ansichten widersetzten.

Eine traurige Geschichte

Das Böse, das lange Zeit unter den Teppich gekehrt wurde—der sexuelle Missbrauch von Frauen durch Männer, die Macht über sie besaßen—kommt immer mehr ans Licht. Die Schlagzeilen waren schwer zu ertragen. Besonders betroffen war ich, als ich erfuhr, dass auch zwei Männern, die ich immer bewundert habe, Missbrauch nachgewiesen wurde. Die Kirche ist nicht immun gegen solche Dinge.

Wiederherstellung

In einem Dokumentarfilm sprach der Autor, wie die Scheidung den Zustand unserer Welt beschreibt. Wir sind voneinander geschieden, von unserer Geschichte, vom Land. Dinge, die ganz sein sollten, sind getrennt. Als der Autor gefragt wurde, wie wir mit dieser traurigen Tatsache umgehen könnten, sagte er: „Wir können nicht alles wieder zusammensetzen. Wir können nur zwei Dinge nehmen und sie zusammensetzen.“ Wir können zwei zerbrochene Dinge nehmen und sie wieder zusammensetzen.

Gott ist größer

Giles Kelmanson, ein südafrikanischer Wildhüter, beschreibt diese unglaubliche Szene: zwei Honigdachse kämpfen gegen ein Rudel von sechs Löwen. Wenngleich in der Unterzahl, weigern sich die Honigdachse, vor den wilden Raubtieren zurückzuweichen, auch wenn sie zehnmal so groß sind wie sie. Die Löwen glaubten, es mit einer leichten Beute zu tun zu haben, aber der Videobeweis zeigt, dass die Dachse scheinbar stolz davonziehen.

Den Schleier zerreißen

Ein brutaler Autounfall zerstörte Mary Ann Franco. Auch wenn sie überlebte, verursachten ihre Verletzungen absolute Blindheit. „Ich konnte nur noch Dunkelheit sehen“, erklärte Franco. Einundzwanzig Jahre später verletzte sie sich bei einem Sturz den Rücken. Als sie nach der Operation aufwachte (die nichts mit ihren Augen zu tun hatte), war ihr Augenlicht auf wunderbare Weise zurückgekehrt! Das erste Mal in mehr als zwei Jahrzehnten sah Franco das Gesicht ihrer Tochter. Der Neurochirurg erklärte, dass es keine wissenschaftliche Erklärung für ihr wiederhergestelltes Augenlicht gäbe. Die Dunkelheit, die so endgültig schien, wich der Schönheit und dem Licht.

Nur Mut

Auf dem Parliament Square in London steht zwischen lauter männlichen Statuen (Mandela, Churchill, Gandhi und anderen) eine einzelne Frauengestalt. Es handelt sich um Millicent Fawcett, die für das Wahlrecht der Frauen kämpfte. Die Bronzestatue hält ein Banner mit den Worten, die sie einmal bei der Ehrung einer Mitkämpferin sagte: „Mut ruft überall Mut hervor.“ Der Mut eines Einzelnen, davon war sie überzeugt, macht auch andere mutig.

Unerwartete Gewinner

Vielleicht war der abwegigste und faszinierendste Moment der Olympischen Winterspiele 2018, als die tschechische Weltmeisterin in Snowboarding, Ester Ledecka, einen Wettbewerb in einer völlig anderen Sportart gewann: im Skifahren! Sie gewann die Goldmedaille, auch wenn sie die unvorteilhafte Position als Nummer 26 hatte — eine Leistung, die quasi unmöglich ist.

Die Last der Fehler tragen

Am 30. Januar 2018, fast achtunddreißig Jahre nach seiner Verurteilung, verließ Malcolm Alexander das Gefängnis als freier Mann. DNA-Beweise erklärten Alexander für unschuldig. Im Verlauf vielzähliger Gerichtsverhandlungen, die tragischerweise ungerecht waren, blieb er standhaft und erklärte seine Unschuld. Ein inkompetenter Verteidiger, der später seine Zulassung verlor, schlechte Beweise und dubiose Ermittlungen brachten einen unschuldigen Mann für beinahe 40 Jahre ins Gefängnis. Als er endlich entlassen wurde, zeigte Alexander eine unglaubliche Gnade. „Man kann nicht wütend sein“, sagte er. „Es gibt nicht genug Zeit dafür, wütend zu sein.“

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