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Artikel von Winn Collier

Anders denken

Während meines Studiums verbrachte ich einmal einen Sommer in Venezuela. Das Essen war hervorragend, die Menschen reizend, das Wetter und die Gastfreundschaft herrlich. Doch schon in den ersten Tagen stellte ich fest, dass meine Vorstellungen von Zeitmanagement von meinen neuen Freunden nicht geteilt wurden. Wenn wir uns zum Mittagessen verabredeten, konnte das irgendwann zwischen 12 und 13 Uhr sein; dasselbe bei Treffen oder Ausflügen. Zeitangaben waren nur ungefähr. Ich lernte, dass meine Idee von „Pünktlichkeit“ viel mehr kulturell bedingt war, als mir bewusst war.

Ein Haus auf Fels

In einem Bundesstaat in Amerika sind etwa 34000 Häuser einsturzgefährdet, weil ihre Fundamente nicht sicher sind. Das Material, das die Zementfirma aus einem Steinbruch geholt hat, ist mit einem Mineral durchsetzt, das den Zement mit der Zeit reißen und bröckeln lässt. Die Fundamente von fast sechshundert Häusern haben sich bereits aufgelöst und die Zahl wird steigen.

Mächtig

Baby Saybie, geboren als „Frühgeburt“ mit 23 Wochen, wog nur 245 Gramm. Die Ärzte bezweifelten, dass Saybie überleben würde und sagten ihren Eltern, dass sie wahrscheinlich nur eine Stunde mit ihrer Tochter verbringen könnten. Doch Saybie kämpfte weiter. Auf einer rosa Karte in der Nähe ihres Kinderbettes hieß es: „Winzig, aber mächtig“. Nach fünf Monaten im Krankenhaus ging Saybie auf wundersame Weise als gesundes Fünf-Pfund-Baby nach Hause. Und sie nahm einen Weltrekord mit: „Das leichteste überlebende Baby der Welt“.

Tante Bettina

Es fühlte sich immer wie Weihnachten an, wenn meine Lieblingstante Bettina in meiner Kindheit zu Besuch kam. Sie brachte Star Wars Spielzeug mit oder steckte mir Geld zu, wenn sie wieder ging. Wann immer ich ein paar Tage bei ihr war, füllte sie den Tiefkühlschrank mit Eiscreme und kochte niemals Gemüse. Sie hatte nur wenige Regeln und ich durfte lange wachbleiben. Meine Tante war wunderbar und spiegelte Gottes Großzügigkeit wider. Um aber gesund aufzuwachsen, brauchte ich mehr als die Art und Weise, wie Tante Bettina agierte. Ich brauchte auch meine Eltern, die Erwartungen an mich und mein Verhalten stellten und einforderten.

Ein offenes, großzügiges Herz

Vickys Auto hatte den Geist aufgegeben. Eine Reparatur war nicht mehr möglich und sie begann, für ein anderes zu sparen. Chris, ein häufiger Gast in dem Schnellrestaurant, in dem Vicky am Schalter arbeitete, hörte einmal, wie sie davon sprach, dass sie ein neues Auto brauchte. „Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt er. „Ich musste etwas machen.“ Und so kaufte er das Auto, das sein Sohn gerade verkaufen wollte, polierte es gründlich und übergab Vicky die Schlüssel. Vicky war geschockt. „Wer macht denn sowas?“, meinte sie dankbar und total überwältigt.

Heimkehr

Walter Dixon hatte fünf Tage Zeit für die Flitterwochen. Dann zog er in den Krieg. Kaum ein Jahr später fand man auf dem Schlachtfeld seine Jacke mit Briefen von seiner Frau in den Taschen. Man teilte ihr mit, dass ihr Mann im Kampf gefallen war. Tatsächlich aber war Dixon noch am Leben und verbrachte die nächsten zweieinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft. In jeder wachen Stunde überlegte er, wie er entkommen könnte. Er unternahm fünf Fluchtversuche. Jedes Mal wurde er gefasst. Schließlich wurde er freigelassen. Was muss das für ein Schock gewesen sein, als er heimkam!

Gott hält uns

Der Südafrikaner Fredie Blom wurde 2020 116 Jahre alt; er ist weithin als der älteste lebende Mann anerkannt. Er wurde 1904 geboren, in dem Jahr, in dem die Gebrüder Wright ihren Flyer II bauten, und hat beide Weltkriege, die Apartheid und die Weltwirtschaftskrise durchlebt. Wenn man ihn nach dem Geheimnis seiner Langlebigkeit fragt, zuckt Blom nur mit den Schultern. Wie viele von uns hat er nicht immer die Nahrungsmittel und Praktiken gewählt, die das Wohlbefinden fördern. Dennoch bietet Blom einen Grund für seine bemerkenswerte Gesundheit: „Es gibt nur einen Grund, nämlich [Gott]. Er hat die ganze Macht . . . Er hält mich.“

Gemeinsam leiden

Im Jahr 2013 starb der siebzigjährige James McConnell, ein Veteran der britischen Royal Marine. Da McConnell keine Familie hatte, befürchtete das Personal seines Pflegeheims, das niemand zu seiner Beerdigung kommen würde. Der Mann, der McConnells Gedenkfeier leiten sollte, hatte eine Facebook-Nachricht gepostet: „In der heutigen Zeit ist es tragisch genug, wenn jemand diese Welt verlassen muss, ohne dass jemand um seinen Tod trauert, aber dieser Mann war/gehörte zur Familie. ... Wenn du es bis zum Grab schaffst, um einem ehemaligen Waffenbruder die letzte Ehre zu erweisen, dann versuch bitte, dort zu sein.“ 200 Royal Marines füllten die Bänke!

Der Krieg ist aus!

Neunundzwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs versteckte sich Hiroo Onoda im Dschungel und weigerte sich zu glauben, dass sein Land kapituliert hatte. Japanisches Militär hatte ihn auf einer Insel der Philippinen abgesetzt, um dort die Alliierten auszuspionieren. Onoda blieb, auch nachdem der Friedensvertrag unterschrieben und die Kampfhandlungen eingestellt waren. 1974 begab sich sein früherer Befehlshaber höchstpersönlich auf die Insel, um ihn vom Ende des Krieges zu überzeugen.

Eine große, allumfassende Gnade

Alexa, das sprachgesteuerte Gerät von Amazon, hat eine interessante Funktion: Sie kann alles löschen, was du sagst. Was auch immer Alexa für dich tun sollte, welche Informationen sie dir liefern sollte, so reicht ein einfacher Satz („Lösche alles, was ich heute gesagt habe“), um alles zu entfernen, als wäre es nie passiert. Zu schade, dass das nicht für den Rest unseres Lebens gilt. Jedes falsch ausgesprochene Wort, jede schändliche Handlung, jeder Moment, in dem wir uns wünschen, dass wir es löschen könnten - wir würden einfach den Befehl sprechen, und das ganze Chaos würde verschwinden.

Wirklich demütig, wirklich groß

Als die amerikanische Revolution mit Englands unwahrscheinlicher Kapitulation endete, strengten sich viele Politiker und Militärführer an, um General George Washington zum neuen Monarchen zu machen. Die Welt schaute zu und fragte sich, ob Washington seinem Ideal der Freiheit treu bleiben würde, wenn die absolute Macht in seiner Reichweite lag. Englands König Georg III. sah jedoch eine andere Wirklichkeit. Er war überzeugt, würde Washington dem Machtstreben widerstehen und auf seine Farm in Virginia zurückkehren, wäre er „der größte Mann der Welt“. Der König wusste, dass die wahre Größe darin liegt, der Macht zu widerstehen. Das ist ein Zeichen wahrer Nobilität und Größe.

Unmögliche Vergebung

Als das Konzentrationslager Ravensbrück, in dem fast 50.000  Frauen umgekommen waren, befreit wurde, fand man einen    zerknitterten Zettel, auf dem stand: „Gott denke nicht nur an die Männer und Frauen guten Willens, sondern auch an die mit bösem Willen. Doch erinnere dich nicht an die Leiden, die sie uns zugefügt haben. Erinnere dich an die Früchte, die wir durch dieses Leiden gebracht haben, unsere Kameradschaft, unsere Loyalität, unsere Demut, unseren Mut, unsere Großzügigkeit, die Größe des Herzens, die daraus gewachsen ist. Und wenn sie zum Gericht kommen, lass alle Früchte, die wir hervorgebracht haben, ihre Vergebung sein.“

Durchs Wasser

Der Film The Free State of Jones erzählt die Geschichte von Newton Knight und einigen konföderierten Deserteuren und Sklaven während des US-Bürgerkriegs. Sie halfen der Unionsarmee und wehrten sich nach dem Krieg gegen Sklavenhalter. Viele bezeichnen Knight als Helden, aber zwei Sklaven retteten ihm nach seiner Desertion sein Leben. Sie trugen ihn tief in ein abgelegenes Sumpfland und versorgten eine Beinwunde, die er auf der Flucht vor den Streitkräften der Konföderierten erlitt. Wenn sie ihn verlassen hätten, wäre er gestorben.

Unsere tiefsten Sehnsüchte

Als junger Mann hatte Stefan Angst gehabt, nicht genug Geld zu  haben. So begann er Anfang zwanzig, ehrgeizig seine Zukunft    zu gestalten. Stefan kletterte in einer angesehenen Firma die Karriereleiter hinauf und kam zu enormem Reichtum. Er hatte ein volles Bankkonto, einen Luxus-Sportwagen und ein teures Zuhause. Er hatte alles, was er wollte; dennoch war er zutiefst unglücklich. „Ich war ängstlich und unzufrieden“, sagte Stefan. „In der Tat kann Reichtum das Leben schlimmer machen.“ Haufenweise Bargeld sorgten nicht für Freundschaft, Gemeinschaft oder Freude - und brachten ihm oft nur mehr Kummer.

Die Rettung sehen

Im Alter von 53 Jahren erwartete Sonia kaum, ihr Geschäft und ihre Heimat zurückzulassen, um sich einer Gruppe Asylsuchender anzuschließen, um in ein neues Land zu ziehen. Nachdem Gangs ihren Neffen töteten und versucht hatten, ihren 17-jährigen Sohn in ihren Bann zu ziehen, schien Flucht für Sonia die einzige Option zu sein. „Ich bete zu Gott . . . ich tue, was immer nötig ist. Ich tue alles, damit mein Sohn und ich nicht verhungern . . . lieber sehe ich ihn leiden, als dass er in einem Sack oder einem Kanal endet“, sagte sie.

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