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Artikel von Cindy Hess Kasper

Ein vollkommener Vater

Mein Vater gestand mir einmal: „Als ihr klein wart, war ich selten zu Hause.“

Herzenshaltung

Wenn mein Mann im Lobpreisteam unserer Gemeinde die Harmonika spielt, schließt er manchmal die Augen. Er sagt, das hilft ihm, sich zu konzentrieren. Er kann besser spielen, wenn er nicht abgelenkt wird—nur die Harmonika, die Musik und er.

Wenn der Morgen kommt

Es war schon spät, als wir vor dem Landgasthof außerhalb von München ankamen. Unser gemütliches Zimmer hatte sogar einen Balkon. Aber draußen herrschte dichter Nebel, sodass man in der Dunkelheit nichts sehen konnte. Doch als ein paar Stunden später die Sonne aufging, löste der Nebel sich auf und wir konnten sehen, was uns am Abend verborgen geblieben war—eine absolut idyllische Szenerie. Friedliche, üppig grüne Weiden, Schafe mit Glöckchen um den Hals, die darauf grasten, und dicke weiße Wolken am Himmel, die aussahen wie noch mehr Schafe—riesige, flauschige Schafe!

Fehler machen

„Es wurden Fehler gemacht“, sagte der Manager, als es um die illegalen Praktiken ging, in die seine Firma verwickelt war. Er wirkte zerknirscht, distanzierte sich aber von dem Vorwurf, dass er persönlich irgendetwas falsch gemacht hätte.

Liebesschlösser

Im Juni 2015 entfernte die Stadt Paris fünfundvierzig Tonnen Schlösser von den Geländern der Pont des Arts. Junge Pärchen hatten sie dort angebracht. Sie ritzen ihre Initialen in ein Schloss, hängen es an das Brückengeländer, schließen es und werfen den Schlüssel in die Seine.

Berühmt und bescheiden

Fast alles dreht sich heute ums Berühmtsein—entweder um das eigene oder das Leben berühmter Leute, das wir in allen Einzelheiten verfolgen. Internationale Konzert-oder Filmauftritte. Interviews in Fernsehshows. Millionen Follower auf Twitter.

Ein Buch zum Trinken

W eil es in manchen Teilen der Welt so schwer ist, sauberes Trinkwasser zu finden, hat eine Organisation mit dem Namen Wasser ist Leben ein fantastisches Hilfsmittel entwickelt, das „Trinkbuch“. Die Seiten des Buches sind mit Nanopartikeln aus Silber beschichtet, die fast 99,9 Prozent aller schädlichen Bakterien aus dem Wasser herausfiltern! Jede heraustrennbare Seite kann mehrmals verwendet werden und für den Preis von nur fünf Cent bis zu 100 Liter Wasser filtern.

Vorbereitungen

W ir standen am Sarg meines Schwiegervaters in der Aufbahrungshalle und einer seiner Söhne nahm einen Hammer und legte ihn neben Vaters gefaltete Hände. Jahre später, als meine Schwiegermutter starb, schob ihr eines der Kinder ein Spiel Stricknadeln in die Finger. Die liebevollen Gesten weckten Erinnerungen daran, wie oft sie diese Werkzeuge zu Lebzeiten benutzt hatten, und wurden uns so zum Trost.

Erinnerungen . . .

Ein Problem mit dem Älterwerden ist die Angst, dement zu werden und das Kurzzeitgedächtnis zu verlieren. Aber Dr. Benjamin Mast, ein Fachmann auf dem Gebiet der Alzheimer-Krankheit, macht Mut. Er sagt, das Gehirn der Patienten sei oft so „abgenutzt“ und „eingefahren“, dass sie, wenn sie alte Lieder hören, jedes Wort mitsingen können. Er meint darum, geistliche Übungen wie etwa Bibellesen, Beten und Singen könnten bewirken, dass die Wahrheit so tief in unser Gehirn „einsinkt“, dass sie bei Bedarf abgerufen werden kann.

Sichtbare Einschränkung

Als mir der Arzt und die Physiotherapeutin ein paar Wochen nach meiner Schulteroperation rieten, die Armschlinge  jetzt einmal wegzulassen, hatte ich Angst. Mit der   Schlinge hatte ich mich sicher gefühlt. Da las ich den Satz: „Vom Tragen der Schlinge wird in dieser Phase abgeraten, es sei denn als sichtbares Zeichen einer Einschränkung in einer unsicheren Umgebung.“

Dein Leben hat Sinn

An einem heißen Tag sah meine Nichte im Westen von Texas an einer Verkehrsampel eine Frau stehen, die ein  Schild in die Höhe hielt. Als sie näher kam, versuchte sie   zu lesen, was darauf stand, in der Annahme, dass da jemand um Geld oder Essen bat. Sie war überrascht, als sie stattdessen las:

Neuanfang

Eines meiner Lieblingsbücher als Kind war Anne von Green Gables. An einer Stelle schüttet Anne aus Versehen Hautpuder anstatt Vanillezucker in den Teig. Als sie dem strengen Blick ihrer Aufpasserin Marilla begegnet, ruft sie hoffnungsvoll aus: „Ist es nicht schön, dass morgen ein neuer Tag ganz ohne Fehler beginnt?“

Selbstfürsorge

Nach der Herzoperation meines Mannes verbrachte ich die Nacht an seinem Krankenbett. Am Morgen fiel mir ein, dass ich einen Termin beim Frisör hatte. „Das muss ich absagen“, sagte ich geistesabwesend.

Verborgene Schätze

Mein Mann und ich haben ganz unterschiedliche Lesegewohnheiten. Da Englisch nicht Toms Muttersprache ist, liest er eher langsam und Wort für Wort. Ich dagegen überfliege oft den Text. Aber Tom behält mehr als ich. Er kann problemlos einen Satz zitieren, den er vor einer Woche gelesen hat, während bei mir schon Sekunden später, nachdem ich mich von Display oder Buch abgewandt habe, alles verpufft.

Was ist auf dem Konto?

Im Winter 2009 musste ein großes Passagierflugzeug auf dem Hudson River in New York notlanden. Der Pilot, Kapitän Chesley Sullenberger, der die Maschine sicher und ohne nennenswerte Verletzte aufsetzte, wurde später gefragt, was ihm durch den Kopf gegangen sei, als er in der schwierigen Situation entscheiden musste, was zu tun sei. „Man kann es so sehen“, sagte er. „42 Jahre lang habe ich regelmäßig kleine Beträge auf das Konto von Erfahrung, Erziehung und Ausbildung eingezahlt. Und an jenem Tag war genug vorhanden, um einmal einen sehr großen Betrag abzuziehen.“

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Harmonisch

Unsere Enkelin spielt im Schulorchester. Beim letzten Konzert war ich beeindruckt, wie gut das Zusammenspiel der 11-und 12-Jährigen klappte. Hätten die einzelnen als Solisten auftreten wollen, hätten sie nicht erreicht, was das Orchester als Gesamtkörper schaffte. Holzbläser, Trompeten und Schlaginstrumente spielten ihre Stimmen und was herauskam, war fantastische Musik!

Schweigen

Langsam fuhr der Lastwagen mit Hilfsgütern an den verwitterten Hütten vorbei. Plötzlich kam ein gemauertes Haus in Sicht. Es gehörte dem Bürgermeister. Doch er wohnte nicht hier, sondern in seiner Luxuswohnung in der Stadt, während die Bevölkerung kaum das Lebensnotwendigste hatte.

Ein Becher des Trostes

Eine Freundin hatte mir per Post aus ihren handgefertigten Töpferwaren etwas geschickt. Beim Öffnen des Pakets stellte ich fest, dass die schönen Stücke beim Transport beschädigt worden waren. Einer der Becher war in ein paar große Teile und viele kleine Scherben zerbrochen.