Kategorie  |  Unser Täglich Brot

Der schiefe Turm

Schiefe Kirchtürme machen die Leute offensichtlich nervös. Freunde erzählten uns, wie der stolze Turm ihrer Kirche nach einem heftigen Sturm verbogen war und einige Unruhe auslöste.

Wir brauchen einander

Beim Wandern mit meinen Kindern entdeckten wir am Wegrand kleine Büschel einer feinen, hellgrünen Pflanze. Auf einem Schild stand, dass es sich um isländisches Moos handelte. Doch eigentlich ist es gar kein Moos, sondern eine Flechte. Eine Flechte ist eine Art Pilz, der mit einer Alge zusammengewachsen ist und so eine Symbiose bildet, in der beide Organismen voneinander profitieren. Weder der Pilz noch die Alge können allein existieren, doch zusammen bilden sie eine widerstandsfähige Pflanze, die in manchen Gebirgsgegenden bis zu 4500 Jahre überlebt. Weil auch Trockenheit und tiefe Temperaturen ihr nichts anhaben können, ist sie im Winter oft das einzige Futter für Rentiere.

In besten Händen

Zwanzig Minuten nachdem das Flugzeug New York in Richtung San Antonio verlassen hatte, begann das Chaos. Eines der Triebwerke war ausgefallen. Trümmerteile durchschlugen ein Fenster und führten zu einem Druckabfall in der Kabine. Mehrere Passagiere wurden verletzt und eine Person starb. Hätte im Cockpit nicht ein besonnener, fähiger Pilot gesessen — ein erfahrener Militärpilot von der Navy —, hätte alles noch tragischer enden können. Die Schlagzeile in unserer Zeitung lautete: „In besten Händen.“

Bärenstark

„Teddy“ war ein Geschenk für meinen Enkel — ein Bündel Liebe in einem großen Plüschtier. Er war noch ein Baby und reagierte mit Staunen. Dann so etwas wie Ehrfurcht. Und schließlich Neugier. Er stupste Teddy mit seinen kleinen Fingern an die Nase und als Teddy daraufhin vornüber in seine Arme purzelte, war da nur noch FREUDE! Er legte seinen kleinen Kopf auf Teddys flauschige Brust und umklammerte ihn mit seinen Armen. Ein breites Lächeln zeigte alle seine Grübchen und er kuschelte sich ganz fest an den neuen Freund. Das Kind hatte keine Ahnung, dass der Teddy ihn nicht wiederlieben konnte. Mit kindlicher Unschuld spürte er die Liebe des Bären und erwiderte sie von ganzem Herzen.

Wenn alles verloren erscheint

Innerhalb von sechs Monaten brach für Gerald die Welt zusammen. Eine Wirtschaftskrise vernichtete sein Geschäft und seinen Wohlstand. Sein Sohn kam bei einem tragischen Unfall ums Leben. Seine Mutter erlitt vor Schreck einen Herzinfarkt und starb. Seine Frau wurde depressiv und seine beiden Töchter waren untröstlich. Ihm blieb nur noch, mit den Worten des Psalmisten zu klagen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Psalm 22,2).

Freundliche Kritik

Der Lehrer meines Kurses für Landschaftsmalerei, ein erfahrener Künstler, beurteilte mein erstes Werk. Schweigend stand er vor meinem Bild, das Kinn in die Hand gestützt. Gleich kommt’s, dachte ich. Gleich sagt er, es sei furchtbar.

Stein gewordene Sehnsucht

„Ach, jeder Kai ist eine Sehnsucht aus Stein!“, heißt es in einer Zeile der „Meeres-Ode“ des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa. Pessoas Kai steht für die Gefühle, die uns bewegen, wenn sich ein Schiff langsam von uns entfernt. Das Schiff verschwindet, aber der Kai bleibt, ein dingfestes Symbol von Hoffnungen und Träumen, Abschieden und Sehnsüchten. Wir sehnen uns nach dem, was verloren ist und was wir nicht wiedererlangen können.

Die Liebe hört nie auf

Ich war neunzehn, als ich über tausend Kilometer von zu Hause wegzog. Das war, bevor ich ein eigenes Mobiltelefon hatte. Eines Morgens ging ich früh aus dem Haus, um ein paar Einkäufe zu machen, und vergaß völlig, dass um diese Zeit immer meine Mutter anrief. Am späten Abend standen zwei Polizisten vor der Tür. Mama hatte sich Sorgen gemacht, weil ich unsere Anrufe sonst nie verpasste. Nachdem sie es mehrmals probiert hatte und immer nur das Besetzt-Zeichen kam, hatte sie die Polizei alarmiert. Einer der Beamten meinte zu mir: „Was für ein Segen, dass die Liebe nie aufhört, nach Ihnen zu suchen.“

Der Herr sieht

Im Sommer nach meinem Examen nahm meine Angst kontinuierlich zu. Ich habe gern alles klar geregelt. Die Tatsache, dass ich keinen Job hatte, machte mich unsicher. Doch ein paar Tage ehe ich meinen Sommerjob beendete, wurde ich gefragt, ob ich von zu Hause aus für die Firma weiterarbeiten könnte. Ich sagte zu und war dankbar, dass Gott für mich sorgt.

Ministerium für Einsamkeit

Nach dem Tod ihres Mannes blieb Betsy die meiste Zeit in ihrer Wohnung, sah fern und trank allein ihren Tee. Mit ihrer Einsamkeit ist sie nicht allein. Über neun Millionen Briten (15% der Bevölkerung) sagen, sie würden sich oft oder ständig einsam fühlen. England hat sogar einen Minister für Einsamkeit ernannt, der herausfinden soll, warum das so ist und wie man helfen kann.

Die beste Lebensstrategie

Wir sahen einem Basketballspiel unserer Tochter zu. Plötzlich hörten wir die Trainerin ein einziges Wort sagen: „Paare.“ Sofort änderten die Spielerinnen ihre Strategie. Bislang hatte jeweils eine einzelne Spielerin versucht, die größte Gegnerin abzuwehren. Nun bildeten sie Teams. Der Strategiewechsel war erfolgreich und es gelang ihnen, den Ball wieder in ihr eigenes Feld zu bringen.

Tränensee

In der Nähe von Boston in Massachusetts erinnert eine Tafel mit dem Titel „Über den Tränensee“ an die Menschen, die Ende der 1840er Jahre vor der großen Hungersnot in Irland über den Atlantik flohen. Mehr als eine Million fiel der Katastrophe zum Opfer, während eine weitere Million oder mehr die Heimat verließ, um über den Ozean zu fahren, den der Dichter John Boyle O’Reilly als „Tränensee“ bezeichnete. Von Hunger und Not getrieben, suchten sie Hoffnung in schwerer Zeit.

Vorbilder gefragt

An wen denkst du, wenn du das Wort Mentor hörst? Ich denke an meinen Pastor. Er erkannte, was in mir steckt, und glaubte an mich, als ich es selbst nicht konnte. Er lebte mir vor, wie man andere leiten kann, indem er voll Demut und Liebe diente. Das Ergebnis ist, dass ich nun selbst Gott diene, indem ich anderen ein Mentor bin.

Komm und nimm

Ich schaute hinaus über unseren Gartenzaun. Dahinter liegt ein Park, den man auf einem Weg umrunden kann. Dort sah ich Leute rennen, joggen, walken und gemütlich entlangtrotten. Als ich noch kräftiger war, konnte ich das auch, dachte ich. Und eine Woge der Unzufriedenheit überrollte mich.

Klein, aber oho!

Der Tag hatte begonnen wie jeder andere, aber er endete in einem Albtraum. Esther (Name geändert) und mehrere hundert weitere Frauen wurden von einer militanten religiösen Gruppe aus ihrem Internat gekidnappt. Einen Monat später wurden alle befreit — außer Esther, die sich weigerte, Jesus zu verleugnen. Ich war betroffen, als ich zusammen mit einer Bekannten von ihr und anderen las, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Wir wollten etwas tun. Aber was?

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