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Artikel von Elisa Morgan

Die Frucht verkauft den Baum

Eine Frau wollte Pfirsichbäume verkaufen. Sie erwog verschiedene Ansätze. Sollte sie die blattreichen Setzlinge in Jutesäcken in einer schönen Auslage aufstellen? Sollte sie einen farbenfrohen Katalog erstellen, in dem Pfirsichbäume in verschiedenen Wachstumsperioden abgebildet sind? Schließlich wurde ihr klar, was einen Pfirsichbaum wirklich auszeichnet. Es ist die Frucht, die er hervorbringt: süß duftend, tief orange und mit pelziger Schale. Die beste Art, einen Pfirsichbaum zu verkaufen, ist, einen reifen Pfirsich zu pflücken, ihn aufzuschneiden und einem potentiellen Kunden ein Stück davon zu geben. Wenn er die Frucht schmeckt, will er den Baum haben.

Gebet mit gefesselter Zunge

Als mein kleiner Bruder operiert wurde, war ich besorgt. Meine Mutter erklärte mir, dass das angewachsene Zungenbändchen angeboren sei. Dadurch gab es Probleme beim Stillen und schließlich bestand die Gefahr, dass er später nicht gut sprechen könnte. Auch wenn unsere Zunge nicht durch ein kleines Bändchen festgehalten wird, kennen wir diesen Zustand, sprachlos zu sein.

Unverblümte Tränen

„Tut mir leid“, entschuldigte sich Karen für ihre strömenden Tränen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich sehr angestrengt, sich um ihre Kinder im Teenageralter zu kümmern. Als Männer aus der Gemeinde einen Wochenend-Campingausflug anboten, um die Kinder zu unterhalten und ihr eine Pause zu verschaffen, weinte Karen vor Dankbarkeit und entschuldigte sich immer wieder für ihre Tränen.

Gottes rechte Hand

Ich half meinem älteren Hund Wilson auf die Wiese und ließ dabei die Leine unseres jüngeren Hundes Coach für eine Sekunde los. Als ich mich bückte, um die Leine von Coach aufzuheben, erspähte er einen Hasen. Er rannte los, riss mir die Leine aus der Hand und verdrehte dabei meinen Ringfinger. Ich fiel auf den Rasen und schrie vor Schmerz auf.

Wörterbuch der Trauer

Als Jan und Lisa ihr einziges Kind verloren, wussten sie nicht, als was sie sich selbst bezeichnen sollten. Es gibt in der englischen und auch in der deutschen Sprache kein spezielles Wort für Eltern, die ihr Kind verloren haben. Eine Frau ohne ihren Mann ist eine Witwe. Ein Mann ohne Frau ist ein Witwer. Kinder ohne Eltern sind Waisen. Doch Eltern, deren Kind gestorben ist, sind ein undefinierter Abgrund der Trauer.

Hört Gott mich?

Als ich im Gemeindeteam meiner Kirche diente, war es eine meiner Aufgaben, während der Gottesdienste die Fürbitten zu beten, die auf den Gebetskarten notiert waren. Für die Gesundheit einer Tante. Für die Finanzen eines Paares. Für die Suche eines Enkels nach Gott. Selten hörte ich von den Ergebnissen dieser Gebete. Die meisten waren anonym, und ich hatte keine Möglichkeit zu erfahren, wie Gott geantwortet hatte. Ich gestehe, dass ich mich manchmal fragte: Hört er wirklich zu? Passierte irgendetwas als Ergebnis meiner Gebete?

Ruhe gut

Die Uhr zeigte 1:55 Uhr morgens an. Belastet von einer spätabendlichen WhatsApp Konversation, kam kein Schlaf. Ich löste mich aus der Umklammerung meiner verhedderten Laken und schlich leise zur Couch. Ich googelte, was man tun kann, um einzuschlafen, fand aber stattdessen, was man nicht tun sollte: ein Nickerchen machen, Koffein trinken oder spät am Tag trainieren. Als ich weiter auf meinem Tablet las, wurde mir geraten, abends keine „Bildschirmzeit“ mehr zu haben. Ups. Das WhatsApp schreiben war keine gute Idee gewesen. Wenn es darum geht, sich gut auszuruhen, gibt es ganze Listen darüber, was man nicht tun sollte.

Die Weisheit, die wir brauchen

Ellen erhielt einen dicken Umschlag mit dem Absender einer lieben Freundin. Nur wenige Tage zuvor hatte sie ihr von einem Beziehungsproblem erzählt. Neugierig öffnete sie das Päckchen und fand darin eine bunte Perlenkette, aufgezogen auf einem einfachen Juteband. Beigefügt war eine Karte mit dem Firmenslogan „Sag es im Morse-Code“ und Worten, die die versteckte Botschaft der Kette offenbarten: „Suche Gottes Wege“. Lächelnd legte sich Ellen die Kette um.

Die Fürsorge unseres Vaters

Rumms! Ich schaute in Richtung, woher das Geräusch kam. Als ich einen Fleck auf der Fensterscheibe entdeckte, blickte ich auf die Terrasse hinaus und sah dort einen zitternden Vogel. Mein Herz bekam einen Stich. Ich sehnte mich danach, dem zerbrechlichen gefiederten Wesen zu helfen.

Sie tat, was sie konnte

Sie lud den Plastikbehälter mit den Cupcakes auf das Förderband und schickte ihn in Richtung Verkäuferin. Als nächstes kamen die Geburtstagskarten und verschiedene Tüten mit Chips dran. Ihr Pferdeschwanz war unordentlich und ihr Gesicht sah müde aus. Ihr Kleinkind weinte. Die Verkäuferin verkündete die Summe, und das Gesicht der Mutter erblasste. „Oh, ich muss wohl etwas zurücklegen. Aber die sind für ihre Party“, seufzte sie und warf ihrem Kind einen bedauernden Blick zu.

Der Zuckerguss des Glaubens

Hand in Hand hüpften mein Enkel und ich über den Parkplatz, um ein spezielles Outfit für den Schulbeginn zu finden. Er war jetzt ein Vorschulkind, er war von allem begeistert, und ich war entschlossen, sein Glück in Freude umzuwandeln. Ich hatte gerade eine Kaffeetasse mit der Aufschrift „Großmütter sind Mütter mit viel Zuckerguss“ gesehen. Zuckerguss ist gleichbedeutend mit Spaß, Glitzer, Freude! Das ist mein Berufsbild als seine Großmutter, richtig? Das … und mehr.

Liebevolle Briefe

Vor Jahrzehnten entdeckte Dr. Jerry Motto die Kraft eines ‚liebevollen Briefes‘. Seine Untersuchung zeigte, dass nur das Versenden eines mitfühlenden Briefes an entlassene Patienten, die zuvor versucht hatten, Selbstmord zu begehen, die Wiederholungsrate um die Hälfte reduzierte. Kürzlich haben Anbieter des Gesundheitswesens diesen Schatz wiederentdeckt, als sie als Folgebehandlung für schwer depressive Menschen, ‚liebevolle‘ Texte, Postkarten und sogar Beiträge in den sozialen Netzwerken an diese verschickten.

Tiefen der Liebe

Der dreijährige Dylan McCoy hatte gerade schwimmen gelernt, als er durch eine verrottete Sperrholzdecke in einen zwölf Meter tiefen, stein-gemauerten Brunnen im Garten seines Großvaters fiel. Dylan schaffte es, sich in drei Meter tiefem Wasser über Wasser zu halten, bis sein Vater zu seiner Rettung kam. Feuerwehrleute brachten Seile mit, um den Jungen hochzuziehen, aber der Vater war so besorgt um seinen Sohn, dass er bereits die rutschigen Felsen hinuntergeklettert war, um sicherzustellen, dass er in Sicherheit war.

Halte nach dem Grün Ausschau

Die schwerfällige Stimme des Kapitäns kündigte eine weitere Verzögerung an. Eingepfercht auf meinem Fensterplatz in einem Flugzeug, das bereits zwei Stunden lang unbeweglich am Boden stand, war ich frustriert. Nach einer langen Arbeitswoche sehnte ich mich nach dem Komfort und der Ruhe zu Hause. Wie lange denn noch? Als ich aus dem mit Regentropfen bedeckten Fenster blickte, bemerkte ich ein einsames Dreieck aus grünem Gras, das in der Zementlücke wuchs, wo sich die Start- und Landebahnen trafen. Ein sehr seltsamer Anblick inmitten all des Betons.

Den Eindringling entfernen

Es dämmerte noch nicht ganz, als mein Mann vom Bett aufstand und in die Küche ging. Ich sah, wie das Licht an- und ausging und fragte mich, was er wohl gerade tat. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich am Morgen zuvor beim Anblick eines „Eindringlings“ auf unserer Küchentheke gekreischt hatte. Das bedeutet: eine unerwünschte Kreatur der sechsbeinigen Sorte. Mein Mann kannte meine Paranoia und kam sofort, um sie zu beseitigen. Heute Morgen war er früh aufgestanden, um sicherzustellen, dass unsere Küche frei von Wanzen war, damit ich ohne Bedenken eintreten konnte. Was für ein Mann!