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Artikel von Jennifer Benson Schuldt

Göttliches Duett

Es war bei einem Kinderkonzert. Lehrer und Schüler nahmen gemeinsam am Klavier Platz. Der Lehrer beugte sich hinüber und flüsterte ein paar letzte Anweisungen. Dann begannen die beiden zu spielen. Der Schüler intonierte eine einfache Melodie, die Begleitung durch den Lehrer gab dem Stück Tiefe und Fülle. Kurz bevor sie aufhörten, nickte der Lehrer anerkennend.

Sprechende Bananen

Gib niemals auf. Sei der Grund, warum jemand lächelt. Du bist unglaublich. Was zählt, ist nicht, woher du kommst - es ist, wohin du gehst. Einige Schüler fanden diese Botschaften und viele mehr auf Bananen in ihrer Mensa. Die Dame, die das Essen ausgab, nahm sich die Zeit, die ermutigenden Notizen auf die Frucht zu schreiben, die die Kinder „sprechende Bananen“ nannten.

Stoßgebete

An einem Samstagmittag beschlossen wir etwas spät, in einem  Restaurant zu Mittag zu essen. Als der Kellner mit Pommes    und Hamburgern an den Tisch kam, fragte mein Mann ihn nach seinem Namen. Dann sagte er: „Wir beten in der Familie immer vor dem Essen. Gibt es etwas, wofür wir für Sie beten können?“ Paul, so hieß der Mann, sah uns mit einer Mischung aus Schreck und Überraschung an. Kurzes Schweigen. Dann erzählte er, dass er bei einem Freund auf der Couch schlafe, das Auto gerade den Geist aufgegeben habe und er pleite sei.

Er weiß alles darüber

Finn, ein siamesischer Kampffisch, lebte zwei Jahre lang in unserem Haus. Meine kleine Tochter beugte sich oft über ihn und sprach mit ihm, nachdem sie ihn gefüttert hatte. Als im Kindergarten das Thema Haustiere besprochen wurde, war sie stolz darauf, ihn ihr Eigen zu nennen. Schließlich starb Finn und meine Tochter war tieftraurig.

Zeit für das Schöne

Es war Januar. Beim Aufwachen erwartete ich dieselbe öde Winterlandschaft, die mich schon seit Wochen grüßte: braune Grasbüschel im Schnee, grauer Himmel und dürre Bäume. Aber heute war es anders. Frost hatte in der Nacht alles mit Eiskristallen überzogen. Die sonst tote, deprimierende Landschaft glitzerte in der Sonne, sodass ich von der Schönheit fast geblendet war.

Unsere Leuchte

In einem Museum betrachtete ich die Ausstellung antiker Lampen. Ein Schild offenbarte, dass diese aus Israel stammten. Dekoriert mit geschnitzten Mustern, hatten diese ovalen Leuchten zwei Öffnungen—eine für Öl und eine für den Docht. Auch wenn die Israeliten diese überwiegend in Wandnischen nutzten, waren sie doch klein genug, um in die Handfläche zu passen.

Gefahrgut

Der schrille Ton der Sirene wurde immer lauter, je näher der Einsatzwagen kam. Die Warnlichter flackerten und im Vorbeifahren konnte ich durch die Windschutzscheibe auf der Seite des Transporters die Worte „Gefahrgut“ erkennen. Später las ich, dass er zu einem Labor gefahren war, in dem an einem 1000-Liter-Tank mit Schwefelsäure ein Leck aufgetreten war. Der austretende Schadstoff musste isoliert werden, da er alles angreift, womit er in Berührung kommt.

Zusammen verflochten

Eine Freundin schenkte mir eine Zimmerpflanze, die sie bereits seit mehr als 30 Jahren besaß. Die Pflanze war so groß wie ich, und große Blätter wuchsen aus drei einzelnen spindeldürren Stämmen. Mit der Zeit hatte das Gewicht der Blätter dazu geführt, dass alle drei Stämme sich dem Boden entgegenneigten. Um sie zu verstärken, legte ich einen Keil unter den Übertopf und stellte ihn an ein Fenster, damit das Sonnenlicht die Blätter nach oben zog und somit die schlechte Haltung der Pflanze sich besserte.

Qualifiziert in den Augen Gottes

Nach der Universität stellte mich eine Technologieberatungsfirma ein, obwohl ich keine Zeile eines Computercodes schreiben konnte und nur wenig Geschäftsverständnis besaß. Während der Vorstellungsgespräche für meine Einstiegsfunktion erfuhr ich, dass die Firma keinen großen Wert auf Berufserfahrung legte. Stattdessen waren der Firma persönliche Qualitäten wichtiger, wie die Fähigkeit Probleme kreativ zu lösen, gutes Urteilsvermögen zu besitzen und teamfähig zu sein. Die Firma ging davon aus, dass neue Angestellte die nötigen Fertigkeiten erlernen konnten, solange sie dem Schlag Menschen entsprachen, die die Firma suchte.

Unverwüstliche Liebe

Als wir den Fluss hinter unserem Haus zum ersten Mal sahen, war er nur ein kleines Rinnsal, das in der Sommerhitze über die Steine plätscherte. Dicke Bretter dienten als Brücke, um auf die andere Seite zu kommen. Monate später regnete es ein paar Tage hintereinander. Unser harmloser Bach schwoll zu einem reißenden Fluss an und war plötzlich über einen Meter tief und mehr als drei Meter breit! Von seiner Kraft wurde unsere Brücke mitgerissen und einige Meter weit abgetrieben.

Fortbildung

Eine brasilianische Firmenchefin forderte von ihren Raumpflegern ihres Gebäudes einen schriftlichen Bericht. Sie wollte jeden Tag wissen, wer welchen Raum gesäubert hatte, welche Räume nicht angerührt wurden und wie viel Zeit die Angestellten in jedem Raum verbrachten. Der erste „tägliche“ Bericht erschien eine Woche später und war nur teilweise ausgefüllt.

Wenn Haie nicht beißen

Meine Kinder waren begeistert, aber mir war unwohl. Während eines Urlaubs besuchten wir ein Aquarium, in dem man kleine Haie streicheln konnte, die in einem besonderen Becken gehalten wurden. Als ich die Pflegerin fragte, ob die Tiere jemals nach Fingern geschnappt hätten, erklärte sie, dass die Haie erst kürzlich gefüttert wurden und noch zusätzliches Futter erhalten hätten. Sie würden nicht beißen, weil sie nicht hungrig sind.

Freundliche Kritik

Der Lehrer meines Kurses für Landschaftsmalerei, ein erfahrener Künstler, beurteilte mein erstes Werk. Schweigend stand er vor meinem Bild, das Kinn in die Hand gestützt. Gleich kommt’s, dachte ich. Gleich sagt er, es sei furchtbar.

Wer ist das?

Als ein Mann eine Sicherheitskamera an seinem Haus anbrachte, kontrollierte er die Videoeinstellung, um sicherzugehen, dass das System arbeitete. Er war alarmiert, als er eine breitschult rige Figur in dunkler Kleidung sah, die in seinem Garten herumlief. Aufmerksam beobachtete er, was der Mann tun würde. Der Eindringling kam ihm aber bekannt vor. Schließlich erkannte er, dass er keinen Fremden beobachtete, der auf seinem Grundstück herumschlich, sondern eine Aufnahme von sich selbst in seinem eigenen Garten!

Weitermachen

Durch das Arbeiten in der Geschäftswelt hatte ich die Möglichkeit, mit vielen talentierten und vernünftigen Menschen zu tun zu haben. Aber ein Projekt, das durch einen auswärtigen Vorgesetzten geleitet wurde, stellte eine Ausnahme dar. Ohne Rücksicht auf den Fortschritt, den unser Team machte, kritisierte dieser Manager unsere Arbeit schwer und forderte während der wöchentlichen telefonischen Statusberichte immer mehr Leistung. Diese Begegnungen entmutigten und ängstigten mich. Manchmal wollte ich aufhören.

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