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Artikel von Sheridan Voysey

Begleite mich

Vor ein paar Jahren kam ein populärer Song in die Charts, in dem ein Gospelchor den Refrain „Jesus walks with me“ sang. Hinter dem Text verbirgt sich eine starke Geschichte.

Schwester zu Bruder

Als mich eine Leiterin fragte, ob ich mit ihr unter vier Augen sprechen könne, fand ich Kathrin mit roten Augen und feuchten Wangen im Beratungsraum des Gemeindezentrums vor. Die 42-jährige Kathrin sehnte sich danach, verheiratet zu sein, und ein Mann zeigte gerade Interesse an ihr. Aber dieser Mann war ihr Chef und er hatte bereits eine Frau.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende

Als das britische Drama Line of Duty zu Ende ging, wollte eine Rekordzahlen von Menschen sehen, wie der Kampf gegen das organisierte Verbrechen ausgehen würde. Doch viele Zuschauer waren enttäuscht, als das Finale andeutete, dass das Böse am Ende gewinnen würde. „Ich wollte, dass die Bösewichte zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte ein Fan. „Wir brauchten dieses moralische Ende.“

Zuflucht finden

Meine Frau und ich übernachteten einmal in einem schönen alten Hotel am Meer mit großen Sprossenfenstern und dicken Steinmauern. Eines Nachmittags tobte ein Sturm, der das Meer aufwirbelte und an unsere Fenster schlug wie wütende Fäuste an eine Tür. Doch wir waren in Frieden. Diese Mauern waren so stark und das Fundament des Hotels echt solide! Während draußen die Stürme tobten, war unser Zimmer eine Zuflucht.

Die Metapher der Ehe

Nach 22 gemeinsamen Jahren frage ich mich manchmal, wie meine Ehe mit Merryn funktioniert. Ich bin Schriftsteller, Merryn ist Statistikerin. Ich arbeite mit Worten, sie arbeitet mit Zahlen. Ich will Schönheit, sie will Funktion. Wir kommen aus unterschiedlichen Welten. Merryn kommt früh zu vereinbarten Terminen, ich bin manchmal zu spät. Ich probiere neue Dinge auf der Speisekarte, sie bestellt das Gleiche. Nach 20 Minuten in einer Kunstgalerie fange ich gerade erst an, während Merryn schon unten im Café sitzt und sich fragt, wie lange ich noch brauche. Wir geben uns gegenseitig viele Gelegenheiten, um Geduld zu lernen!

Gerufen, um zu wachsen

Die Seescheide ist eine seltsame Kreatur. Sie klebt an Felsen und Muscheln und sieht aus wie ein weicher Plastikschlauch, der mit der Strömung schwimmt. Sie bezieht ihre Nährstoffe aus dem vorbeiziehenden Wasser und führt ein passives Leben, das weit von ihrer einst aktiven Jugend entfernt ist.

Göttliche Zärtlichkeit

Ich habe einmal gehört, wie ein Mann seine Studienjahre an der Universität als eine Zeit beschrieb, in der er sich aufgrund von Depressionen oft „hilflos und hoffnungslos“ fühlte. Leider sprach er nie mit einem Arzt über diese Gefühle, sondern begann stattdessen sein Lebensende zu planen. Er bestellte ein Buch über Selbstmord in seiner örtlichen Bibliothek und setzte einen Termin fest.

Großzügigkeit und Freude

Forscher haben herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Freude gibt: Menschen, die ihr Geld und ihre Zeit anderen zur Verfügung stellen, sind glücklicher als diejenigen, die dies nicht tun. Ein Psychologe schlussfolgert daraus: „Wir sollten aufhören, das Geben als moralische Verpflichtung zu betrachten, sondern es als eine Quelle der Freude sehen.“

Am Ende

Ich habe oft das Privileg, geistliche Einkehrtage zu leiten. Ein paar Tage wegzufahren, um zu beten und nachzudenken, kann sehr bereichernd sein. Während des Programms bitte ich die Teilnehmer manchmal, eine Übung zu machen: „Stelle dir vor, dein Leben ist zu Ende und dein Nachruf wird in der Zeitung veröffentlicht. Was möchtest du darin lesen wollen?“ Einige Teilnehmer ändern daraufhin die Prioritäten in ihrem Leben und wollen ihr Leben gut beenden.

Sing wieder

Australiens Königshonigfresser ist in Schwierigkeiten – er verliert seinen Gesang. Von der einst weit verbreiteten Art gibt es heute nur noch knapp 300 Vögel. Da es so wenige andere Vögel gibt, von denen sie lernen können, vergessen die Männchen ihren einzigartigen Gesang und können keine Partner mehr anlocken.

Aufstehen zum Tanz

In einem weit verbreiteten Video sitzt eine elegante ältere Frau in einem Rollstuhl. Marta González Saldaña, einst eine berühmte Balletttänzerin, ist an Alzheimer erkrankt. Doch wenn ihr Tschaikowskis Schwanensee vorgespielt wird, geschieht etwas Magisches. Während sich die Musik steigert, erheben sich ihre gebrechlichen Hände langsam, und sobald die ersten Trompeten ertönen, beginnt sie von ihrem Stuhl aus zu tanzen. Obwohl ihr Geist und ihr Körper schwächer werden, ist ihr Talent immer noch vorhanden.

Liebeslied

Es ist ein ruhiger Samstagnachmittag am Flussufer in einem Park. Jogger laufen vorbei, Angelruten schwirren umher, Möwen streiten sich um eine herrenlose Pommes Tüte, und meine Frau und ich sitzen da und beobachten ein Paar. Sie sind dunkelhäutig, vielleicht Ende vierzig. Sie sitzt da und schaut ihm in die Augen, während er ihr, ohne einen Anflug von Verlegenheit, ein Liebeslied in seiner Sprache vorsingt, das vom Wind getragen wird, sodass wir es alle hören können.

Vorsicht, Tür!

Der Haselmaus kribbelte es in der Nase. Irgendwo gab es etwas Leckeres zu fressen. Und tatsächlich: Der Duft führte sie zu einem Vogelhäuschen voller Nüsse und Kerne. Die Haselmaus kletterte an der Kette hinunter, schlüpfte durch die Tür und fraß die ganze Nacht. Erst am Morgen merkte sie, was sie sich eingebrockt hatte. Die Vögel pickten durch die Öffnung nach ihr. Aber da sie so viel gefressen hatte, war ihr Bauch so dick, dass sie nicht mehr fliehen konnte.

Kluger Rat

Als im April 2019 der Dachstuhl der Kathedrale von Notre Dame in Paris Feuer fing, wurden das hölzerne Gebälk und die Bleiverkleidung so heiß, dass man den Brand nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte. Nachdem der Dachreiter zerborsten war, richtete sich die Aufmerksamkeit auf die Glockentürme. Wenn die Glockenstühle verbrannten, würden auch die beiden Türme einstürzen.

Wahres Glück

Im zehnten Jahrhundert war Abd al-Rahman III. der Herrscher von Cordoba, Spanien. Nach fünfzig Jahren erfolgreicher Regentschaft („von meinen Untertanen geliebt, von meinen Feinden gefürchtet und von meinen Verbündeten respektiert“) warf al-Rahman einen Blick auf sein Leben. „Reichtum und Ehre, Macht und Vergnügen, haben auf meinen Ruf gewartet“, sagte er über seine Privilegien. Doch als er zählte, wie viele Tage echten Glücks er in dieser Zeit gehabt hatte, waren es gerade einmal vierzehn. Wie ernüchternd!