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Artikel von Alyson Kieda

Zeit füreinander

Auf der zweistündigen Heimfahrt von einer Hochzeit fragte meine Mutter mich schon zum dritten Mal, was es bei mir Neues an der Arbeit gebe. Noch einmal wiederholte ich ein paar Dinge, als würde ich sie ihr zum ersten Mal erzählen, und fragte mich dabei, was ich tun könnte, damit sie meine Worte besser behalten könne. Meine Mutter hat Alzheimer, eine Krankheit, die nach und nach das Gedächtnis zerstört, das Verhalten beeinflusst und mit der Zeit zum Verlust des Sprachvermögens führt—und noch viel mehr.

Mittel gegen Eifersucht

Ich war gern bereit, die Enkel zu hüten, während ihre Eltern ausgingen. Nach der Begrüßung fragte ich die Jungs, was sie am Wochenende gemacht hatten. Der drei Jahre alte Bridger berichtete atemlos, dass er bei Tante und Onkel übernachten durfte—und es gab Eis und er war Karussell gefahren und hatte einen Film angeguckt! Der fünfjährige Samuel murmelte eher einsilbig: „Camping.“ „Und?“, fragte ich, „war es schön?“ „Nicht so besonders“, erwiderte er lahm.

Urlaubs-Psalmen

Wenn ich mit meinem Mann wandern gehe, nehmen wir unsere Kameras mit und machen Nahaufnahmen von den Pflanzen zu unseren Füßen, die einen ganzen Mikrokosmos bieten. Was für eine Vielfalt und Schönheit sehen wir da, selbst in den Pilzen, die über Nacht aus dem Boden schießen und den Waldboden mit gelben, orangen und roten Tupfern übersäen!

Neugeburt

Was haben Babys an sich, dass sie uns zum Lächeln bringen? Viele Leute lassen alles stehen und liegen, wenn sie ein Baby sehen oder hören, und eilen herbei, um das Kleine anzusehen. Das fiel mir auf, als ich meinen Vater im Pflegeheim besuchte. Obwohl die meisten Bewohner dort im Rollstuhl sitzen und unter Demenz leiden, brachte der Besuch einer Familie mit Baby ihre Augen sofort zum Strahlen. Und aus dem Strahlen wurde – erst nur zögerlich, dann aber unaufhaltsam – ein Lächeln. Es war beeindruckend.

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> Unser Täglich Brot

Harmonisch

Unsere Enkelin spielt im Schulorchester. Beim letzten Konzert war ich beeindruckt, wie gut das Zusammenspiel der 11-und 12-Jährigen klappte. Hätten die einzelnen als Solisten auftreten wollen, hätten sie nicht erreicht, was das Orchester als Gesamtkörper schaffte. Holzbläser, Trompeten und Schlaginstrumente spielten ihre Stimmen und was herauskam, war fantastische Musik!

Schweigen

Langsam fuhr der Lastwagen mit Hilfsgütern an den verwitterten Hütten vorbei. Plötzlich kam ein gemauertes Haus in Sicht. Es gehörte dem Bürgermeister. Doch er wohnte nicht hier, sondern in seiner Luxuswohnung in der Stadt, während die Bevölkerung kaum das Lebensnotwendigste hatte.

Ein Becher des Trostes

Eine Freundin hatte mir per Post aus ihren handgefertigten Töpferwaren etwas geschickt. Beim Öffnen des Pakets stellte ich fest, dass die schönen Stücke beim Transport beschädigt worden waren. Einer der Becher war in ein paar große Teile und viele kleine Scherben zerbrochen.