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Articles by Kirsten Holmberg

Aus der Tiefe

Ich ließ meinen Blick konzentriert über das Wasser schweifen. Während meiner sechsstündigen Schicht als Rettungsschwimmerin wachte ich vom Rand des Schwimmbeckens darüber, ob alles in Ordnung war. Wenn ich meinen Posten verließ oder auch nur ein wenig unaufmerksam wurde, konnte das für die Personen im Pool gefährliche Folgen haben. Wenn ein Schwimmer zu ertrinken drohte, weil er verletzt war oder ungeübt, dann war es meine Aufgabe, ihn aus dem Wasser zu holen und am Beckenrand in Sicherheit zu bringen.

Der erste Schritt

Geduldig halfen wir unserem Sohn, sich an das neue Leben in unserer Familie zu gewöhnen. Seine frühen Tage im Waisenhaus hatten negative Verhaltensweisen hervorgebracht. Während ich großes Mitleid empfand, weil er in seinen jungen Jahren schon so viel durchgemacht hatte, merkte ich, wie ich mich wegen seines Verhaltens innerlich immer mehr zurückzog und mich deshalb schämte. Seine Therapeutin erklärte mir: „Er ist darauf angewiesen, dass Sie den ersten Schritt tun. Sie müssen ihm zuerst zeigen, dass er liebenswert ist. Erst dann kann er sich auch so verhalten.“

Tafelberg

Ein großes Kreuz steht auf dem Tafelberg, einem Felsplateau, das meine Heimatstadt überragt. In unmittelbarer Nähe stehen einige Häuser. Vor kurzem wurden die Eigentümer aufgefordert, sie aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Obwohl sie so dicht am massiven Felsen des Tafelbergs stehen, sind die Gebäude nicht sicher. Sie haben sich aus den Fundamenten gelöst und angefangen zu rutschen—knapp zehn Zentimeter pro Tag—so dass die Gefahr besteht, dass Wasserleitungen brechen und das Abrutschen damit beschleunigen.

Finstere Wege

Auf der Heimfahrt aus dem Familienurlaub kamen wir durch eine verlassene Gegend im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir fast zwei Stunden durch tiefe Canyons und über weite Hochebenen. Nicht einmal zwanzig Scheinwerferpaare begegneten uns auf dem Weg durch die Dunkelheit. Irgendwann erschien der Mond am Horizont. Wenn die Straße gerade auf einem Bergkamm verlief, konnten wir ihn sehen. Wenn wir in der Ebene waren, entschwand er unserem Blick. Meine Tochter fühlte sich dadurch an die Gegenwart Gottes erinnert. Ich fragte sie, ob sie Gott sehen müsse, um zu wissen, dass er da ist. „Nein“, erwiderte sie, „aber es hilft.“

Loslassen

Mein Mann hatte für unseren Hochzeitstag ein Tandem für eine romantische Unternehmung zu zweit ausgeliehen. Als wir lospedalten, merkte ich schnell, dass der Blick nach vorn auf die Straße für mich als Fahrerin auf dem hinteren Sitz durch die breiten Schultern meines Mannes doch sehr eingeschränkt war. Außerdem war meine Lenkstange starr, sie hatte keinen Einfluss. Nur der vordere Lenker bestimmte, wo es hinging; meiner diente nur als Stütze für meinen Oberkörper. Ich hatte die Wahl, ob ich deshalb frustriert sein oder mich einfach an der Fahrt freuen und darauf vertrauen wollte, dass Mike uns sicher ans Ziel bringen würde.

Hinter den Kulissen

Meine Tochter hatte eine SMS verschickt und wartete auf Antwort. Ihr Handy zeigte an, dass die Empfängerin die Nachricht gelesen hatte. Eigentlich waren erst ein paar Minuten verstrichen, aber schon beklagte sie sich über die ausbleibende Reaktion. Aus dem Ärger wurde Sorge. Hatte die Freundin etwa ein Problem mit ihr und meldete sich deshalb nicht? Schließlich kam die Antwort und alles war gut. Die Freundin hatte einfach noch ein paar Dinge abklären müssen, bevor sie antworten konnte.

Getröstet

Meine Freundin gewährte mir die Gunst, ihre kostbare, erst vier Tage alte Tochter zu halten. Doch ich hatte die Kleine noch nicht lange auf dem Arm, da begann sie zu quengeln. Ich zog sie näher an mich, legte meine Wange auf ihren Kopf und fing an, sie zu wiegen und eine leise Melodie zu summen, damit sie sich beruhigte. Doch trotz aller Bemühungen und fünfzehn Jahren eigener Erfahrung als Mutter, konnte ich sie nicht zur Ruhe bringen. Sie wurde immer aufgeregter, bis ich sie schließlich zurücklegte in die wartenden Arme ihrer Mutter. Fast augenblicklich wurde sie still, das Weinen verstummte und sie entspannte in der so vertrauten Sicherheit. Meine Freundin wusste genau, wie sie ihre Tochter halten und streicheln musste und was ihr guttat.

Wenn alles zerrinnt

Ich hatte versehentlich mein Glas auf der Theke des Restaurants umgestoßen. Nun strömte die Flüssigkeit über die Kante und tropfte hinunter auf den Boden. In meiner Verlegenheit versuchte ich den Wasserfall mit zusammengelegten Händen aufzufangen, doch vergeblich. Der größte Teil des Getränks rann mir durch die Finger. Schließlich hatte ich in jeder Handfläche nicht mehr als einen Teelöffel Flüssigkeit, während ich mit den Füßen in einer Pfütze stand.

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Ein friedliches Heim

Fünfundsechzig Millionen. Das ist die Zahl der Flüchtlinge in unserer heutigen Welt—Menschen, die wegen Konflikten oder Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten—und sie ist höher als je zuvor. Die UNO hat die Staatschefs aufgefordert, bei der Aufnahme der Flüchtlinge zusammenzuarbeiten, damit jedes Kind eine Schule besuchen, jeder Erwachsene eine Arbeit und jede Familie eine Bleibe finden kann.

Nicht Furcht, sondern Glaube

„Meinem Mann wurde eine bessere Stelle im Ausland angeboten. Aber ich hatte Angst, von zu Hause wegzugehen. Deshalb hat er das Angebot abgelehnt, wenn auch ungern“, erzählte mir eine Freundin. Sie erklärte, wie die Bedenken über eine solche Veränderung sie davon abhielten, sich auf Neues einzulassen, und dass sie sich manchmal fragte, was sie durch ihr Bleiben wohl verpasst hatten.

Unter seinen Flügeln

Wenn ich an Schutz und Zuflucht denke, kommen mir nicht automatisch Vogelfedern in den Sinn. Doch Federn haben mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick meinen mag.