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Artikel von Kirsten Holmberg

Rührei mit Speck

In der Fabel vom Huhn und dem Schwein beschließen die beiden Tiere, ein Restaurant zu eröffnen. Beim Planen der Speisekarte schlägt das Huhn vor, Rührei mit Speck anzubieten. Das gefällt dem Schwein gar nicht und es wendet ein: „Nein, danke. Da wäre ich ja direkt betroffen, und du bist nur beteiligt.“

Besser verstehen

Nachdem wir unseren Adoptivsohn vom Ausland zu uns geholt hatten, überschüttete ich ihn mit Liebe und versuchte ihm alles zu geben, was ihm in der Vergangenheit gefehlt hatte, vor allem gute Nahrung, da er unterernährt war. Trotzdem wuchs er kaum. Nach knapp drei Jahren erfuhren wir, dass er einige starke Nahrungsmittelunverträglichkeiten hatte. Nachdem wir sie wegließen, legte er in wenigen Monate über zehn Zentimeter zu. Ich machte mir Vorwürfe, hatte ich doch in bester Absicht gehandelt. Aber ich freute mich auch über seine Fortschritte!

Das schönste Geschenk

Mein Mann hatte vor kurzem einen runden Geburtstag, einen mit einer Null am Ende. Ich überlegte hin und her, wie wir dieses wichtige Ereignis gebührend feiern konnten. Gemeinsam mit den Kindern diskutierte ich, welche Idee wir verwirklichen wollten. Die Feier sollte zum Ausdruck bringen, dass nun ein neues Jahrzehnt begann, und auch, wie sehr wir alle ihn schätzen und lieben. Unser Geschenk sollte der Bedeutung dieses wichtigen Meilensteins in seinem Leben entsprechen.

Viel besser

Ich habe einen Tag nach meiner Mutters Geburtstag. Früher fiel es mir schwer, ihr etwas zu schenken, das ihr gefiel und ich mir leisten konnte. Sie nahm mein Geschenk immer voll Freude an, und am nächsten Tag, meinem Geburtstag, erhielt ich mein Geschenk von ihr. Und jedes Mal übertraf es meins bei weitem. Dabei hatte sie nicht die Absicht, mein Geschenk herabzuwürdigen. Sie schenkte einfach entsprechend ihren Möglichkeiten, und da hatte sie schlichtweg mehr Spielraum als ich.

Genug

Als mein Mann und ich gefragt wurden, ob wir bei uns eine Kleingruppe durchführen könnten, zögerte ich. Unsere Wohnung war klein und wir hatten gar nicht genug Sitzgelegenheiten für so viele Leute. Ich wusste auch nicht, ob ich dazu fähig wäre, eine Diskussion zu leiten. Und sollte ich womöglich etwas zu Essen vorbereiten? Dafür fehlten mir die Begabung und die Finanzen. Wir hatten einfach nicht „genug“ für ein solches Projekt. Aber wir wollten Gott und unserer Gemeinde dienen und deshalb sagten wir trotz aller Bedenken zu. In den nächsten fünf Jahren hat uns die Gruppe in unserem Wohnzimmer große Freude gemacht.

Voll oder leer?

Ein Kinderbuch erzählt von einem armen Bauernjungen, der seine Mütze abnahm, um den König zu grüßen. Doch sofort erschien eine neue Mütze auf seinem Kopf. Der König wurde zornig und ließ den Jungen zum Palast abführen, um ihn dort für die Respektlosigkeit zu bestrafen. Doch jedes Mal, wenn Bartholomäus seine Mütze abnahm, erschien eine neue. Die Mützen wurden immer extravaganter. Der fünfhundertste Hut war so schön, dass der König ihn haben wollte. Er verzieh Bartholomäus und gab ihm 500 Goldstücke. Als freier Mann ging Bartholomäus ohne Hut nach Hause und hatte sogar genug Geld, um seine Familie zu ernähren.

Bring es zu Gott

Von meiner Mutter habe ich gelernt, wie hilfreich es sein kann, Dinge aufzuschreiben. Wenn ich nicht wusste, welchen Kurs ich besuchen, welchen Beruf ich wählen oder wie ich mit den beängstigenden Erfahrungen des Erwachsenwerdens klarkommen sollte, dann half es mir, wenn ich die wichtigsten Punkte zu Papier bringen und das Für und Wider schriftlich gegeneinander abwägen konnte. Ich konnte einen Schritt zurücktreten und das Problem mit mehr Distanz betrachten, als ich es rein gefühlsmäßig getan hätte.

Ernsthafte Suche

Jeden Samstag steht unsere Familie an der Strecke und spornt unsere Tochter an, die mit ihrer Schule am Langlauf teilnimmt. Wenn sie die Ziellinie überschritten haben, strömen von allen Seiten Mitsportler, Trainer und Eltern herbei—manchmal über 300—und es ist schwer, in der Menge eine einzelne Person zu finden. Aufgeregt lassen wir unsere Blicke über die Menschen schweifen, bis wir die eine Sportlerin gefunden und in die Arme geschlossen haben, wegen der wir hergekommen sind—unsere geliebte Tochter.

Aus der Tiefe

Ich ließ meinen Blick konzentriert über das Wasser schweifen. Während meiner sechsstündigen Schicht als Rettungsschwimmerin wachte ich vom Rand des Schwimmbeckens darüber, ob alles in Ordnung war. Wenn ich meinen Posten verließ oder auch nur ein wenig unaufmerksam wurde, konnte das für die Personen im Pool gefährliche Folgen haben. Wenn ein Schwimmer zu ertrinken drohte, weil er verletzt war oder ungeübt, dann war es meine Aufgabe, ihn aus dem Wasser zu holen und am Beckenrand in Sicherheit zu bringen.

Der erste Schritt

Geduldig halfen wir unserem Sohn, sich an das neue Leben in unserer Familie zu gewöhnen. Seine frühen Tage im Waisenhaus hatten negative Verhaltensweisen hervorgebracht. Während ich großes Mitleid empfand, weil er in seinen jungen Jahren schon so viel durchgemacht hatte, merkte ich, wie ich mich wegen seines Verhaltens innerlich immer mehr zurückzog und mich deshalb schämte. Seine Therapeutin erklärte mir: „Er ist darauf angewiesen, dass Sie den ersten Schritt tun. Sie müssen ihm zuerst zeigen, dass er liebenswert ist. Erst dann kann er sich auch so verhalten.“

Tafelberg

Ein großes Kreuz steht auf dem Tafelberg, einem Felsplateau, das meine Heimatstadt überragt. In unmittelbarer Nähe stehen einige Häuser. Vor kurzem wurden die Eigentümer aufgefordert, sie aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Obwohl sie so dicht am massiven Felsen des Tafelbergs stehen, sind die Gebäude nicht sicher. Sie haben sich aus den Fundamenten gelöst und angefangen zu rutschen—knapp zehn Zentimeter pro Tag—so dass die Gefahr besteht, dass Wasserleitungen brechen und das Abrutschen damit beschleunigen.

Finstere Wege

Auf der Heimfahrt aus dem Familienurlaub kamen wir durch eine verlassene Gegend im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir fast zwei Stunden durch tiefe Canyons und über weite Hochebenen. Nicht einmal zwanzig Scheinwerferpaare begegneten uns auf dem Weg durch die Dunkelheit. Irgendwann erschien der Mond am Horizont. Wenn die Straße gerade auf einem Bergkamm verlief, konnten wir ihn sehen. Wenn wir in der Ebene waren, entschwand er unserem Blick. Meine Tochter fühlte sich dadurch an die Gegenwart Gottes erinnert. Ich fragte sie, ob sie Gott sehen müsse, um zu wissen, dass er da ist. „Nein“, erwiderte sie, „aber es hilft.“

Loslassen

Mein Mann hatte für unseren Hochzeitstag ein Tandem für eine romantische Unternehmung zu zweit ausgeliehen. Als wir lospedalten, merkte ich schnell, dass der Blick nach vorn auf die Straße für mich als Fahrerin auf dem hinteren Sitz durch die breiten Schultern meines Mannes doch sehr eingeschränkt war. Außerdem war meine Lenkstange starr, sie hatte keinen Einfluss. Nur der vordere Lenker bestimmte, wo es hinging; meiner diente nur als Stütze für meinen Oberkörper. Ich hatte die Wahl, ob ich deshalb frustriert sein oder mich einfach an der Fahrt freuen und darauf vertrauen wollte, dass Mike uns sicher ans Ziel bringen würde.

Hinter den Kulissen

Meine Tochter hatte eine SMS verschickt und wartete auf Antwort. Ihr Handy zeigte an, dass die Empfängerin die Nachricht gelesen hatte. Eigentlich waren erst ein paar Minuten verstrichen, aber schon beklagte sie sich über die ausbleibende Reaktion. Aus dem Ärger wurde Sorge. Hatte die Freundin etwa ein Problem mit ihr und meldete sich deshalb nicht? Schließlich kam die Antwort und alles war gut. Die Freundin hatte einfach noch ein paar Dinge abklären müssen, bevor sie antworten konnte.

Getröstet

Meine Freundin gewährte mir die Gunst, ihre kostbare, erst vier Tage alte Tochter zu halten. Doch ich hatte die Kleine noch nicht lange auf dem Arm, da begann sie zu quengeln. Ich zog sie näher an mich, legte meine Wange auf ihren Kopf und fing an, sie zu wiegen und eine leise Melodie zu summen, damit sie sich beruhigte. Doch trotz aller Bemühungen und fünfzehn Jahren eigener Erfahrung als Mutter, konnte ich sie nicht zur Ruhe bringen. Sie wurde immer aufgeregter, bis ich sie schließlich zurücklegte in die wartenden Arme ihrer Mutter. Fast augenblicklich wurde sie still, das Weinen verstummte und sie entspannte in der so vertrauten Sicherheit. Meine Freundin wusste genau, wie sie ihre Tochter halten und streicheln musste und was ihr guttat.