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Artikel von Kirsten Holmberg

Loslassen

Mein Mann hatte für unseren Hochzeitstag ein Tandem für eine romantische Unternehmung zu zweit ausgeliehen. Als wir lospedalten, merkte ich schnell, dass der Blick nach vorn auf die Straße für mich als Fahrerin auf dem hinteren Sitz durch die breiten Schultern meines Mannes doch sehr eingeschränkt war. Außerdem war meine Lenkstange starr, sie hatte keinen Einfluss. Nur der vordere Lenker bestimmte, wo es hinging; meiner diente nur als Stütze für meinen Oberkörper. Ich hatte die Wahl, ob ich deshalb frustriert sein oder mich einfach an der Fahrt freuen und darauf vertrauen wollte, dass Mike uns sicher ans Ziel bringen würde.

Hinter den Kulissen

Meine Tochter hatte eine SMS verschickt und wartete auf Antwort. Ihr Handy zeigte an, dass die Empfängerin die Nachricht gelesen hatte. Eigentlich waren erst ein paar Minuten verstrichen, aber schon beklagte sie sich über die ausbleibende Reaktion. Aus dem Ärger wurde Sorge. Hatte die Freundin etwa ein Problem mit ihr und meldete sich deshalb nicht? Schließlich kam die Antwort und alles war gut. Die Freundin hatte einfach noch ein paar Dinge abklären müssen, bevor sie antworten konnte.

Getröstet

Meine Freundin gewährte mir die Gunst, ihre kostbare, erst vier Tage alte Tochter zu halten. Doch ich hatte die Kleine noch nicht lange auf dem Arm, da begann sie zu quengeln. Ich zog sie näher an mich, legte meine Wange auf ihren Kopf und fing an, sie zu wiegen und eine leise Melodie zu summen, damit sie sich beruhigte. Doch trotz aller Bemühungen und fünfzehn Jahren eigener Erfahrung als Mutter, konnte ich sie nicht zur Ruhe bringen. Sie wurde immer aufgeregter, bis ich sie schließlich zurücklegte in die wartenden Arme ihrer Mutter. Fast augenblicklich wurde sie still, das Weinen verstummte und sie entspannte in der so vertrauten Sicherheit. Meine Freundin wusste genau, wie sie ihre Tochter halten und streicheln musste und was ihr guttat.

Wenn alles zerrinnt

Ich hatte versehentlich mein Glas auf der Theke des Restaurants umgestoßen. Nun strömte die Flüssigkeit über die Kante und tropfte hinunter auf den Boden. In meiner Verlegenheit versuchte ich den Wasserfall mit zusammengelegten Händen aufzufangen, doch vergeblich. Der größte Teil des Getränks rann mir durch die Finger. Schließlich hatte ich in jeder Handfläche nicht mehr als einen Teelöffel Flüssigkeit, während ich mit den Füßen in einer Pfütze stand.

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Ewige Liebe

Es ist fast unmöglich, einen Tag hinter sich zu bringen, ohne in irgendeiner Weise kritisiert, ignoriert oder klein gemacht zu werden. Manchmal tun wir es sogar selbst.

Wenn der Morgen kommt

Es war schon spät, als wir vor dem Landgasthof außerhalb von München ankamen. Unser gemütliches Zimmer hatte sogar einen Balkon. Aber draußen herrschte dichter Nebel, sodass man in der Dunkelheit nichts sehen konnte. Doch als ein paar Stunden später die Sonne aufging, löste der Nebel sich auf und wir konnten sehen, was uns am Abend verborgen geblieben war—eine absolut idyllische Szenerie. Friedliche, üppig grüne Weiden, Schafe mit Glöckchen um den Hals, die darauf grasten, und dicke weiße Wolken am Himmel, die aussahen wie noch mehr Schafe—riesige, flauschige Schafe!

Alternative zum Ärger

Eines Morgens stellte Fionn Mulholland im australischen Perth fest, dass sein Auto verschwunden war. Im selben Moment fiel ihm ein, dass er es im Halteverbot geparkt hatte. Man hatte es wohl abgeschleppt. Er dachte an die Gebühren fürs Abschleppen und Falschparken und war frustriert. Doch er beschloss, seinen Ärger nicht an der Person auszulassen, mit der er über die Herausgabe seines Autos verhandeln musste. Stattdessen verfasste er ein lustiges Gedicht über die Angelegenheit und las es dem Arbeiter vor, den er beim Abschleppdienst traf. Dem Mann gefiel es und so wurde eine kritische Situation entschärft.