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Artikel von Kirsten Holmberg

Da sein

Als Jennifer, eine Mitarbeiterin eines Themenparks sah, wie Ralph weinend auf dem Boden zusammenbrach, rannte sie zu ihm. Ralph, ein Junge mit Autismus, weinte, weil das Karussell, auf das er sich den ganzen Tag gefreut hatte, kaputt war. Anstatt zu ihm zu eilen, damit er aufstehe oder ihn überredete, sich besser zu fühlen, setzte sich Jennifer mit ihm auf den Boden, nahm seine Gefühle ernst und ließ ihm Zeit, um sich auszuweinen.

Geborgte Schuhe

Während der Waldbrände im Jahr 2018 in Kalifornien musste Gabriel, ein Universitätsstudent, fluchtartig sein Haus verlassen. Dadurch verpasste er auch ein Qualifikationsrennen für Querfeldeinlauf, für das er trainiert hatte. Das bedeutete, dass er keine Chance hatte, beim Finale mitzumachen – dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Aufgrund der besonderen Umstände bekam er vom Leichtathletikverband doch noch eine Chance. Er durfte die Qualifikation ganz für sich allein auf der Bahn einer anderen Universität laufen. Allerdings in „Straßenschuhen“, weil seine Laufschuhe in den verkohlten Trümmern seiner Wohnung lagen. Als er zum „Rennen“ antrat, staunte er. Ein paar andere Läufer waren gekommen, um ihm richtige Schuhe zu bringen und mit ihm zu laufen, damit er sich an ihnen orientieren konnte.

Die Dürre überleben

Im April 2019 wurde ein Stadtteil in Kalifornien mit Steppenhexe begraben. Starke Winde drückten die rollenden Disteln aus der angrenzenden Mojave-Wüste, in der die Pflanze wächst, in die Stadt. Bei der Reife kann das lästige Unkraut bis zu zwei Meter hoch werden – eine beachtliche Größe, wenn es sich von seinen Wurzeln löst, um mit dem Wind zu „taumeln“ und seine Samen zu verstreuen.

In unsere Herzen geschrieben

Als Johannes Gutenberg 1450 die Druckerpresse mit der beweglichen Schrift kombinierte, läutete er im Westen die Ära der Massenkommunikation ein und verbreitete das Lernen in neue gesellschaftliche Bereiche. Die Alphabetisierung nahm weltweit zu, und neue Ideen bewirkten einen raschen Wandel auf sozialem und religiösem Gebiet. Gutenberg schuf die erste gedruckte Version der Bibel überhaupt. Zuvor wurden die Bibeln mühsam von Hand kopiert, wobei die Schreiber bis zu einem Jahr für die Herstellung benötigten.

Rivalen oder Verbündete?

Texarkana liegt direkt auf der Grenze zwischen Texas und Arkansas. Die Stadt hat zwei Bürgermeister, zwei Stadtparlamente, zwei Polizeidirektionen und zwei Feuerwehren. Sportwettkämpfe locken ungewöhnlich viele Zuschauer an und zeigen, wie sehr die Menschen hinter „ihrer“ Mannschaft stehen. Natürlich gibt es auch Probleme, etwa wegen der gemeinsamen Wasserversorgung, für die unterschiedliche Gesetze gelten. Doch trotz der Trennlinie, die sie durchzieht, ist die Stadt bekannt für ihre Einigkeit. Jedes Jahr trifft man sich zu einem Dinner direkt auf der Grenze, um das Zusammenleben zu feiern.

Nicht ausnutzen

Mehrere Männer leisteten Sozialstunden und sammelten Müll am Straßenrand, um ihre Haftzeit zu verkürzen, als ihr Vorgesetzter James zusammenbrach. Sie eilten ihm zu Hilfe und erkannten, dass es sich um einen medizinischen Notfall handelte. Einer der Männer lieh sich James‘ Telefon, um Hilfe zu rufen. Die Polizei dankte den Männern später dafür, dass sie geholfen hatten, ihren Vorgesetzten unverzüglich medizinisch zu versorgen. Sie hätten ihn leicht seinem Schicksal überlassen können, was zu seinem großen Nachteil gewesen wäre, da er einen Schlaganfall hatte, oder sie hätten die Situation zu ihrem eigenen Vorteil nutzen können.

Der Mann auf Platz 2D

Claudia navigierte sich mit ihrer elf Monate alten Tochter und deren Sauerstoffgerät durch den schmalen Gang im Flugzeug. Sie reisten zu einer Behandlung der chronischen Lungenkrankheit ihrer Tochter. Kurz nachdem sie sich in ihrem Sitz niedergelassen hatten, kam eine Flugbegleiterin auf Claudia zu und sagte, dass ein Passagier aus der 1. Klasse den Platz mit ihr tauschen wolle. Mit Tränen der Dankbarkeit bahnte sich Claudia einen Weg zu dem größeren Sitzplan, während der gütige Fremde sich zu ihrem Sitz begab.

Heilige Versammlung

Unsere Freundesgruppe traf sich zu einem langen Wochenende am Ufer eines wunderschönen Sees. Wir verbrachten die Tage spielend am See, aßen gemeinsam, aber es waren die abendlichen Unterhaltungen, die ich am meisten schätzte. Als es dunkel wurde, öffneten wir gegenseitig unsere Herzen mit einer ungewöhnlichen Tiefe und Verletzlichkeit, teilten die Schmerzen schwächelnder Ehen und das Trauma daraus, das einige unserer Kinder durchleben mussten. Ohne die Zerbrochenheit unserer Wirklichkeit zu vertuschen, wiesen wir einander auf Gott und seine Treue in diesen Schwierigkeiten hin. Diese Abende waren die wertvollsten in meinem Leben.

Gesprächstische

Einsamkeit ist einer der größten Risikofaktoren für unser Wohlbefinden. Sie beeinflusst unsere Gesundheit durch unser soziales Verhalten, durch unsere Ernährungsgewohnheiten und ähnliches. Eine Studie besagt, dass fast zwei Drittel aller Menschen—unabhängig von Alter oder Geschlecht—sich zumindest zeitweise einsam fühlen. Ein Supermarkt hat deshalb in seinen Coffeeshops „Gesprächstische“ gekennzeichnet, um Kontakte zu schaffen. Wer sich unterhalten will, setzt sich an einen dieser Tische zu anderen, die sich freuen, wenn jemand dazukommt. Es entstehen Gespräche und ein Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit.

Heilende Worte

Eine kürzlich durchgeführte Studie hat gezeigt, dass ermutigende Worte eines Gesundheitsdienstleisters dazu beitragen können, dass sich Patienten schneller von ihren Beschwerden erholen. Ein einfaches Experiment setzte freiwillige Studienteilnehmer einem Hautallergen aus, um sie zu jucken, und verglich dann die Reaktionen zwischen denen, die von ihrem Arzt ermutigt wurden, und denen, die nicht ermutigt wurden. Patienten, die von ihren Ärzten ermutigt wurden, hatten weniger Beschwerden und Juckreiz als ihre Mitpatienten.  

Chirpy

Zwölf Jahre lang besuchte Chirpy, eine Möwe, täglich einen Mann, der ihr half, während ihr gebrochenes Bein heilte. John hatte Chirpy mit Hundekeksen zu sich gelockt und konnte sie dann gesundpflegen. Auch wenn Chirpy in Instow Beach in Devon, England, nur zwischen September und März überwintert, finden sich Chirpy und John ganz einfach. Chirpy fliegt geradewegs zu ihm, wenn John täglich zum Strand kommt, auch wenn Chirpy sonst die Menschen meidet. Eine ungewöhnliche Beziehung.

In der Nachbarschaft

Unsere Nachbarschaft hat, wie viele andere, eine Website, die den Menschen hilft, direkt mit ihrer unmittelbaren Umgebung in Kontakt zu treten. Wir teilen einander mit, wenn irgendwo ein Berglöwe gesichtet wurde oder eine Evakuierung wegen Waldbränden angekündigt ist. Wir organisieren bei Bedarf eine Kinderbetreuung. Auch bei der Suche nach entlaufenen Haustieren hat sich die Website schon bewährt. Dank Internet kommen sich Menschen wieder in einer Weise nahe, die in unserer schnelllebigen Welt oft verloren geht.

Gut für dich

Weltweit gaben Menschen im Jahr 2016 schätzungsweise 86,6 Milliarden Euro für Schokolade aus. Die Zahl ist überwältigend und doch nicht allzu überraschend. Schokolade schmeckt schließlich köstlich und wir essen sie gerne. Die ganze Welt freute sich, als sich herausstellte, dass die süße Leckerei auch erhebliche gesundheitliche Vorteile bietet. Schokolade enthält Flavonoide, die den Körper vor Alterung und Herzerkrankungen schützen. Noch nie wurde ein Gesundheitsrezept so gut aufgenommen oder beachtet (natürlich in Maßen!).

Erlassene Schulden

Im Jahr 2009 beschloss Los Angeles County, dass Familien nicht mehr für die Inhaftierung ihrer Kinder bezahlen müssten. Auch wenn keine neuen Gebühren erhoben wurden, so mussten offene Gebühren, die vor Erlass des Gesetzes aufgelaufen waren, dennoch bezahlt werden. Im Jahr 2018 erließ dann der County sämtliche finanzielle Verpflichtungen.

Zielgerichtet

1994 erschien der Film Forrest Gump. Forrest, der Hauptdarsteller, wird berühmt für sein Laufen. Was als Spurt „bis zum Ende der Straße“ begann, dauerte drei Jahre, zwei Monate, vierzehn Tage und sechzehn Stunden. Jedes Mal, wenn Forrest an einem Ziel ankam, setzte er sich das nächste und lief weiter. So lief er kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten, bis er eines Tages keine Lust mehr hatte. Weil er „Lust hatte“, hatte er mit dem Rennen begonnen. „Aus irgendeinem Grund“, sagt er, „beschloss ich an jenem Tag, ein bisschen zu laufen.“

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